Andersartige Texte lesen

Der Bachelor und sein Harem

Bachelor unf Frauen
(Bild: Pixabay / Evro-photography) - Ein Harem macht Picknick

Diesen Artikel zu verfassen, ist keine leichte Sache. Denn ich weiß nicht wirklich wie ich mit der Thematik und ihrer Zerlegung anfangen soll.
Vor kurzem habe ich noch eine Rundreise in Marokko gemacht. Für mich, als Neukömmling in der arabischen Welt, war es sehr seltsam ein arabisches bzw. muslimisches Land zu sehen. Jeden Morgen hörte ich einen Aufruf zum Gebet, jeden Tag sah ich Menschen auf verschiedenste Art und Weise gekleidet. Interessant war es wirklich, sich dieses Land mal anzuschauen und dort eine Rundreise zu machen, schon allein wegen eines Erlebnisses, das ich hatte und niederschrieb, welches ich wie folgt darstelle. Am 08.01.2018 schrieb ich:

Was ich noch wahrnahm und mich den ganzen Tag beschäftigte, war ein kleiner, alter, gebrechlicher Mann, den ich sah, als wir durch die Medina gingen. Er wirkte so mickrig und schwächlich als könnte man ihn 5- oder 6-mal falten und in eine Reisetasche packen. Tüchtig, aber auch vegetierend wirkend, saß er da auf dem Boden und arbeitete mit einem Hammer oder ähnlichem, an einem metallenen Werkstoff. Ehrwürdig schaute ich mir dieses kleine Wesen an, das mich irgendwie auch an Tolkiens Romanfigur „Golum“ erinnerte, und fragte mich, wie sein Leben bis heute ausgesehen haben mag. War er in der Schule? Arbeitete er schon immer? Und wenn ja, hat er immer handwerklich gearbeitet? Sah er immer so aus? War er mal stämmiger, größer und kräftiger? Oder war er immer so klein, und war müglichenfalls in seiner Erscheinung kräftiger? Abgesehen von seiner physischen Entwicklung; was ist mit seiner geistigen Entwicklung? Hatte dieser Mann Träume, wie wir sie kennen? Hatte er Ziele, nach denen er strebte? In andern Worten gefragt; wie konnte er der Mann werden, den ich heute sah? Und stört es ihn der Mann zu sein, der er heute ist?
Zu Mittag aß ich heute wieder mit dem älteren Pärchen in einem Restaurant auf einem neustädtischen Marktplatz. Heute allerdings war das Essen nicht eine von uns vorher bezahlte Zusatzleistung, sondern wir aßen und bezahlten das Essen vor Ort, denn gestern war das letzte gemeinsame Essen. Als wir dort saßen und aßen, erzählte ich dem Pärchen von dem alten handwerkenden Mann. „Sieht man da nicht, dass dieser Mann eine heftige Erniedrigung durchmacht, wenn wir sogenannten wohlhabenden Europäer, an diesem Mann vorbeigehen während er da am Boden kauernd sitzt?“, fragte mich die Frau. Ich sagte ihr, dass man das nicht unbedingt so sehen müsse, denn vielleicht sei das für ihn aufgrund der kulturellen Gegebenheit keine Erniedrigung. Sie wandte ein, dass er wahrscheinlich schon sein ganzes Leben arbeite und so gesehen nicht mit einer fairen Rente gewürdigt wäre. Natürlich ist dieser Aspekt hinsichtlich der Arbeitswirtschaftlichkeit ganz richtig, weshalb ich ihr erstmal zustimmte und nicht weiterhin diskutieren wollte. Boshaft ist das gar nicht mal gemeint, denn ich weiß jetzt erst auch, in dem Moment, in dem ich darüber schreibe, dass dieser Augenblick, in dem ich diesen Mann sah, mir das Universum eine Eingebung schenkte, die nur für mich bestimmt war. Klar werden andere Menschen, andere Schriftsteller ähnliches berichtet haben, was ich zu berichten habe, jedoch weiß ich für mich, dass dieser Augenblick ein vollkommener war.
Dass der Mann da saß und eine Erniedrigung hinnehmen musste, kam mir ganz und gar nicht so vor. Zugegeben; sein Gesicht habe ich nicht gesehen. Er saß auf den Boden mit dem Rücken zu uns gewendet. Genau deshalb, genau wegen dieser Haltung, konnte ich eben nicht davon ausgehen, dass er erniedrigt wurde, sondern vielmehr, dass er eher mit den präzisesten Bewegungen in seinem Element war und sich von keinem stören ließ, als er vor dem metallenen Werkstoff arbeitete. Vermutlich habe nur ich das Bild vor Augen, und vermutlich, kann nur ich den Mann so wahrgenommen haben. Zu der Frage, ob er Träume gehabt hatte; Woher soll ich wissen, ob nicht genau das immer sein Traum war?
„Außerdem ist die Arbeit bestimmt sehr monoton, die er da gemacht hat“, sagte die Frau heute Mittag weiterhin am Esstisch.
Arbeitswütig sitzen viele von uns in Büros oder an Kassen, räumen Sachen weg oder machen Fließbandarbeit. Eigentlich sind doch unsere Jobs monoton. Warum wollen wir denn sonst so verreisen? Weil etwa unsere Jobs so abwechslungsreich sind? Wir wollen doch raus aus unserem alltäglichen Sumpf, damit wir was Anderes erleben als die Öde und Seichtheit, die wir in unseren Jobs erleben.
Vielleicht ist die Arbeit des kleinen Mannes in der marokkanischen Medina wirklich monoton; das kann ich schlecht beurteilen. Vielleicht aber ist auch die Arbeit, die er macht, jeden Tag von einer Andersartigkeit und Mannigfaltigkeit geprägt, dass er von den Tag an, als er diese Arbeit antrat, diese als Herausforderung sah und sich zu seiner Lebensaufgabe machte. Vielleicht hatten Reisen und großartige Bildung keinen Platz für diese Lebensaufgabe. Geistlichkeit konnte ihm möglicherweise durch den Koran vermittelt werden und vermutlich konnte er für sich, darin eine Bestätigung oder Bestimmung sehen. Und wer sagt, dass er dadurch nicht wachsen könne? Mit jedem gefertigten Teil, fertigte er eventuell auch seine Seele immer mehr. Mutmaßlich mögen meine Ansichten sein; wenn sie dennoch von einer Wirklichkeit geprägt sind, ist dieser handwerkende gebrechliche Mann, in einer von ihn gewählten Form, der Freiheit so viel näher, als wir uns vorstellen können.
Vielleicht hat dieser Mann so einen eisernen Willen, wie das Eisen auf das er schlug, was auch noch allenfalls viel härter ist als das Eisen (und den Willen), das (und den) wir von uns kennen. Wir wissen es eben nicht.

Dass dieser Bericht nichts Wissenschaftliches an sich hat, ist mir selbst vollkommen klar. Allerdings kann die Wissenschaft auch nicht das Gefühl erfassen, das ich in diesem Moment erlebt hatte. Da reise ich nach Nordafrika und ein marokkanischer Golum wirft mich geistig total aus der Bahn, weil ich mich schämte. Warum schämte ich mich? Der Moment galt mir und ihm. Ein Moment zwischen einem Mann des Westens bzw. einem Mann aus Europa und ein Mann Nordafrikas. Das Aufeinandertreffen einer alten und neuen Weltordnung. Mit meiner Handykamera machte ich Bilder und die arabischen Menschen machten ihr Ding. Kulturschockerlebnisse ließen mich räsonieren, dass wir im Westen peinliche Menschen sind. Dieser Räson war es, warum ich schämte. Ich schämte mich, von einem Fleck herzukommen, in dem von sich aus behauptet wird, man sei der Maßstab. Es ist nicht so, dass ich dieses arabische Land besser fand als meine Heimat. Keineswegs! Vielmehr ist so, dass die westliche Kultur eine Verlogenheit mit sich nimmt, von der sie nichts wissen will.

Journalistisch gesehen mag das, was ich hier schreibe, keinen Wert haben. Nichtsdestoweniger sind meine Augen und meine Auffassung von einer Andersartigkeit geprägt, die mich zum Berichten zwingt. An einem Tag lief ich mit der Gruppe, die überwiegend aus einem älteren deutschen Publikum bestand, durch Marrakesch. Unser Reiseleiter führte uns –wenn ich mich nicht täusche- zum Bahia-Palast und fing an uns etwas darüber zu erzählen. Wenn ich mich nicht falsch entsinne, erzählte er, dass dieser Palast von einem Wesir aufgebaut lassen wurde und er dort mit seinem Harem lebte. Die genaue Geschichte, die der Reiseleiter erzählte kann ich nicht richtig rekonstruieren. Woran ich mich aber ganz genau noch erinnere ist, dass er im Zentrum des Palastes von der Baukunst erzählte. Nach der islamischen Architektur wurde dieser Palast errichtet. Diese Architektur nimmt es mit sich, dass zentral ein freier Platz für Männer gewährleistet wird und drumherum Zimmer, die für die Frauen platziert sind. In diesem Fall handelte es sich also um den Wesir und seinen Harem, also seinen Frauen. Ebenfalls erlebte ich so eine Bauart bei einer privaten Teezeremonie in einem Haus, wo das Haus in die Höhe seine Zimmer hatte, von wo aus die Frauen dann runter auf die Männer schauen können. Von dieser sogenannten Baukunst, die eine gewisse kulturelle Haltung hat, bin ich überhaupt nicht begeistert. Zwar ist es interessant zu sehen, aber dass es noch solche Bauten und Haltungen aktuell noch gibt, finde ich wirklich rückständig. Noch rückständiger finde ich aber die Kehrseite der Besichtigung, nämlich den westlichen Menschen. „Der Wesir, der hier lebte, hatte in diesen Zimmern seine ganzen Frauen, zu denen er immer hingehen konnte.“ – „Das war mal eine tolle Sache. Das wäre heute auch noch gut, hö hö hö hö hö.“ – „Ja, das finde ich auch, hö hö hö hö hö.“ Das waren die Reaktionen auf der Erzählung des Reiseleiters. Nebenbei gesagt; das sagten Männer, die mit ihren Ehefrauen da waren.

Das allein brachte mich noch lange nicht dazu diesen Artikel zu schreiben. Erstmals schaute ich dieses Jahr in zwei Folgen „Der Bachelor“ rein. Da sah ich, was für eine dämliche Scheiße im Fernsehen lief. Damit will ich die Leute, die das sehen, nicht beleidigen; aber warum schaut man sich denn sowas an? Was bringt die Menschen dazu? Vor allem RTL! Meine Güte! Ein Sender mit sehr viel inhaltslosen Sendungen. Also, was bringt die Menschen dazu, eine Sendung zu sehen, bei der ein junger gutaussehender Mann, der gemeinsam mit 24 Frauen permanent zu tun hat und mit denen legitimiert vor laufender Kamera rumknutschen kann?
Meine These: Sie wollen es für sich selbst, sei es Frau oder auch Mann.
Natürlich habe ich keine wissenschaftlichen Belege für meine These. Trotzdem kann man mit einer neutralen Wahrnehmung sehen, dass etwas mit der westlichen Zivilisation nicht stimmt. Das Sendeformat kommt aus den vereinigten Staaten. Europa und die USA zeigen und richten sich medial überwiegend tolerant und antimuslimisch, was an sich schon sehr widersprüchlich ist. Dass Europa und die USA christliche Felder sind, mag eine Erklärung dafür sein, warum eine antimuslimische Haltung gegeben ist.
Natürlich habe ich keine wissenschaftlichen Belege für meine These. Trotzdem kann man mit einer neutralen Wahrnehmung sehen, dass etwas mit der westlichen Zivilisation nicht stimmt. Das Sendeformat kommt aus den vereinigten Staaten. Europa und die USA zeigen und richten sich medial überwiegend tolerant und antimuslimisch, was an sich schon sehr widersprüchlich ist. Dass Europa und die USA christliche Felder sind, mag eine Erklärung dafür sein, warum eine antimuslimische Haltung gegeben ist.
Meiner Meinung nach sind viele Dinge aus der muslimischen Kultur nicht mit gewissen Normen- und Wertensystemen vereinbar, z.B. legitimiertes Heiraten mit mehreren Frauen. Was ich aber vermehrt in der westlichen Leitkultur sehe, ist die paradoxe Attitüde, freie Sexualität zu haben und sich über Moslems lustig zu machen oder auch über ihre „primitiven“ Ansichten.
Frauen, die Kopftücher tragen, Männern nicht die Hand geben dürfen oder auch nur haushaltstauglich sind, werden immer als „peinlich“ beschimpft. Dass Frauen keine Rechte unter Moslems haben, wird auch immer medial vermittelt.
Auf der anderen Seite der Medaille ist „Der Bachelor“. Sein Ziel: Eine Frau finden, die die für ihn bis zum Ende kämpft und würdig ist mit ihm ein gemeinsames Leben zu führen. Und, ach ja, nebenbei gesagt, das geht nur, wenn man die Zunge in ihren Mündern steckt, weil es der Mund ist, den man(n) den Rest des Lebens züngeln muss.
Aufgetakelte, junge, püppchenartige Frauen konkurrieren also um einen Mann. Dazu nochmal meine Frage und meine These.
Was bringt die Menschen dazu, diese Sendung zu sehen? Sie wollen es für sich selbst.

2 Männer, die sich in Marokko an den Harem eines Wesirs erfreuten, stellen logischerweise noch keine Empirie dar. Was ist aber mit den Einschaltquoten der Sendung? Bei einem Blick auf die Quoten sieht man, dass eine nicht unbeachtliche Anzahl von Zuschauern vor den Fernsehern stand. (Quelle hier)

Mutmaßlich mag es sein, wenn ich sage, dass viele („nicht alle“) Männer sich eine Position, wie die des Bachelors wünschen und viele („nicht alle“) Frauen eine Position, wie die der Kandidatinnen.
Für Männer ist es dann einfach nur geil. Für die Frauen auch, da sie entweder einen gutaussehenden und gutverdienenden Mann an ihrer Seite haben oder auch einfach nur medial berühmt werden und das für ihre Zwecke beispielsweise auf Instagram nutzen können.
Allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach, sind es auch die Menschen, die sich vorher noch auf RTL anschauen, wie ein Ahmed A. seinen Haushalt mit 3 verschleierten Frauen und gemeinsamen Kinder führt, aber dabei meckern, dass der Typ so lebt und dann noch vom Staat Geld kassiert.

Aus der triebgesteuerten Sicht des Mannes, ist es verständlich, so ein Harem wie der Bachelor haben zu wollen. Für den Mann endet es auch immer gut. Nichtsdestoweniger sind es aber auch viele westliche Männer, die sich über den Islam und die dazugehörige Attitüde beschweren.

Grundsätzlich sind in der westlichen Welt zu viele paradoxe Gegebenheiten vorhanden. Einerseits wird Homosexualität legitimiert und andererseits werden alle Schranken geöffnet für Einwanderer aus islamischen Ländern, wo überhaupt keine Toleranz für Homosexualität gegeben ist. Ambivalent gestörte Haltungen wie die bisher aufgeführten, sorgen in der Gesellschaft für Diskrepanzen. Von der Gesellschaft ist leider wenig zu erwarten, dass ein Wechsel der Attitüde umgesetzt wird, da sie von der Medienwirtschaft sehr stark beeinflusst wird. Appelle sollten deshalb vielmehr an die Medien gesetzt werden.
„Bitte verbreitet keine dämlichen Inhalte. Sagt nicht auf der einen Seite, dass der Islam Frauenverachtend ist. Und erwartet nicht auf der anderen Seite, dass wir uns in moderner schicklichen Form genauso verhalten.“