Andersartige Texte lesen

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Geburtstag - Happy Birthday
Bild: Pixabay / m_u_z007 - Ein Kuchen zum Geburtstag.

Wie steht es bei dir mit dem Begriff „Zeit“? Was ist das überhaupt?

„Zeit“ war zuweilen ein Begriff für mich, der auch noch -obwohl er passiv vorhanden war- im „Alltag“ eine aktive Präsenz hatte. Für dieses und jenes hatte ich kaum „Zeit“. Entweder musste ich arbeiten, so hatte ich keine „Zeit“ für meinen Sport oder ich nahm mir die „Zeit“ für Sport, so hatte ich keine „Zeit“ für meine Freunde. „Zeit“-gleich konnte in Vorlesungen sitzen und mit Freunden abhängen. Dennoch war die „Zeit“ immer von ihrer Knappheit geprägt.
Das kann doch nicht sein, dass ich immer in „Zeit“-druck bin,
das war der Gedanke, der mich dazu brachte mal richtig darüber nachzudenken, was das überhaupt ist. Es ist nichts Weiteres (wie im Film „in Time“) als eine Währung. Eine Ressource. Ein imaginäres Tauschgut, womit jeder Mensch handelt. Jahre für Jahre. Monate für Monate. Tage für Tage. Stunde für Stunde. Minute für Minute. Sekunde für Sekunde. Wer ehrlich zu sich selbst ist, merkt doch, dass es eine sehr heftige Umverteilung von gelebten Zeiten gibt. Mit gelebten Zeiten meine ich Zeiten, die wirklich nur für sich selbst sind. Die meisten Menschen leben kaum Zeit für sich selbst.

Sie machen es für die Arbeit. Sie leben die Zeit, in der sie Sport machen, nicht für sich, sondern dafür um gut auszusehen. Sie leben die Zeit, in der sie studieren, nicht weil sie wirklich was lernen wollen, sondern dafür, dass sie einen guten Job finden, bei dem sie viel Lebenszeit hergeben, um Geld zu bekommen, womit sie dann Dinge kaufen, für die sie eigentlich keine Zeit haben, aber sich gerne einbilden, dass es Ihnen einen kurzen Moment gut geht, wenn sie im Besitz eines seelenlosen Gegenstandes sind. Dieser kurze Moment, ist, was sie nicht verstehen, nicht gelebte Zeit mit etwas, sondern viel mehr eine Art „Zeitopium“, welches sie in einen Rausch versetzt, der in der eigentlichen Realität, bei dem es mit „Zeit“ als Tauschgut geht, kurz vergeht, aber innerhalb des Rausches wie eine gelebte Ewigkeit vorkommt, die aber nicht wirklich glücklich gemacht hat, sondern eher wie das Kacken als Bedürfnis befriedigt und die letzte Kraft rausgedrückt wird.
Ich war es leid so zu Leben. Noch mehr bin ich es Leid zu sehen, dass der Mensch dies Tag für Tag für sich so vornimmt. Ist es wirklich so abwertend, wenn ich sage der Mensch ist ein Bio-Roboter? Ist meine Wahrnehmung wirklich so unrealistisch? Was denkst du, liebes Geburtstagskind, was „Zeit“ ist?

„Zeit“ gibt es gar nicht. Auch wenn man es kaum glauben mag, ist es nichts Weiteres als eine Illusion „Macht“ über sein Leben zu haben. Ist doch so. Die meisten wollen „Macht“ über ihr Leben haben, statt ihr Leben zu „leben“. Spielchen spielen, obwohl sie auf dem Schachbrett stehen. Wenn sie merken, dass sie auf dem Schachbrett stehen, wollen sie alles dafür tun, um der Künig zu sein, ohne zu wissen, dass obwohl wenn sie der König oder auch die Dame sind, sie sich nicht wirklich selbst auf dem Schachbrett bewegen. Geleitet werden sie doch nur von einem Spieler und vermögen zu hoffen, sie werden das Spiel gewinnen.

Sehr ironisch das ganze „Zeit“-Thema. Es ist nichts anderes als ein Modell.
Es ist echt nur ein Modell, das sich damals vor was weiß ich wie viel hundert Jahren, irgendein christlicher Vogel ausgedacht hat. Es gibt keine „Zeit“. Es gibt nur eine kosmische beziehungsweise universell astrologische und astronomische Abfolge. Mehr ist das alles nicht. Das soll nicht falsch verstanden werden; ich bewundere, den oder diejenigen, die die Zeit erfunden haben. Wie haben die das geschafft eine Taktung zu finden, die mit dem Zyklus der Erdlaufbahn um die Sonne abgestimmt ist? Hätte das ganze Modell auch gepasst, wenn sie sich dafür entschieden hätten, dass eine Minute nicht 60 Sekunden sondern 100 Sekunden sind, dass 1 Stunde nicht 60 Minuten sondern 100 Minuten sind, dass 1 Tag nicht 24 Stunden, der halbtags 12 Stunden beinhaltet, sondern 20, einfach nur 20 Stunden hat, der halbtags 10 Stunden beinhaltet, dass 1 Woche nicht 7 Tage sondern 10 Tage beinhaltet, dass 1 Monat nicht 4 Wochen sondern 3 Wochen beinhaltet und dass die 12 Monate dadurch nicht immer unterschiedlich (31. Und 30. eines Monats) sind und stattdessen immer 30 Tage (und somit auch 3 Wochen) innerhalb eines Monats sind? Natürlich kannst du mich fragen, welch willkürliche Änderungen ich angepasster finde. Natürlich habe ich für mich metrisch-logische Auf- und Abrundungen gesehen. Aber jetzt mal ganz ehrlich. Die Zeit ist nicht weiteres als ein erfundener Maßstab, dem wir folgen und uns selbst bemessen. Warum hat eine Woche sieben Tage? Wer hat das entschieden? Das Alte Testament, in dem drinsteht, dass Gott in 7 Tagen (in nur einer Woche) die Welt erschuf?

Unser Kalander ist doch eigentlich ein schlechter Witz. Schlimm ist es nicht, wenn wir den Kalender nutzen als Orientierung oder auch zum determinieren. Aber es ist so lächerlich den Tagen gewissen Zeremonien, Traditionen und Festlichkeiten beizuwohnen. Das ergibt alles keinen Sinn. „Warum?“, fragst du dich jetzt wahrscheinlich. Eigentlich brauchen wir keine Zeitbemessung. Genauso wenig ein Kalender. Die Erde dreht sich vielleicht 365 Tage im Jahr um die Sonne. Das ist ja nicht falsch bemessen an den gregorianischen Kalander, der gegenwärtig unseren Alltag bestimmt. Sieht man sich aber nur die Abfolge im Universum an, wissen wir, dass die Erde einen Zyklus durchlebt, bei der sie 13 (Voll-)Monden hat. Wir könnten anhand der Sonnenaufgänge und –abgänge und den (Voll-)Monden unsere Lebenszeit bemessen. Die Bemessung wäre viel natürlicher und verbundener zu unserem Universum (meiner Auffassung nach). Der Zyklus ist eigentlich immer gleich. Dennoch musste der gregorianische Kalender so dermaßen mathematisch abgestimmt worden sein, da es alle vier Jahre ein Schaltjahr gibt. Im Universum passiert doch nix. Der Zyklus ist immer gleich. Und was ist mit den Festlichkeiten? Werfen wir mal einen Blick auf die Feiertage wie z.B. Weihnachten. Wer sagt denn, dass Jesus am 24. Dezember geboren ist? Warum gibt es dann Heiligabend, erster und zweiter Weihnachtstag? Weißt du, lieber Leser, was an den Tagen davor astronomisch passiert? Der 21., 22. und 23. Dezember sind nichts Weiteres als die drei dunkelsten und längsten Tage in dem Zyklus, die auch signalisieren, dass der Zyklus vorüber ist und vom Neuen anfangen wird. Mehr nicht!

Und ich fass es nicht, was der Bio-Roboter daraus hat machen lassen. Ein Marketinggag! Unfassbar! Der Geburtstag! Einer der wichtigsten Tage im Leben!
Deshalb muss sich das Umfeld bemühen ein besonderes oder zumindest überhaupt ein Geschenk zu machen, weil es ein besonderer Tag ist. Lächerlich!
Weihnachtsgeschenke! Lächerlich! Sylvester! Der Tag, an dem neue Vorsätze für das nächste Jahr vorgenommen werden, aber noch am letzten Tag des Jahres noch ordentlich die Sau raus lassen. Wenn die armen Seelen nur wüssten, dass sie das eine Woche zuvor hätten tun sollen, was aber nicht geht, weil man das Weihnachtsgeschenk auspacken muss und danach der Festtagsbraten weggefressen werden muss.

Die Zeitverschiebung!
Weißt du eigentlich warum wir die Zeitverschiebung machen, also einmal im Jahr die Uhr vor- und zurückstellen, lieber Leser? Das hängt ganz stark mit der Erdölkrise aus dem Jahr 1973 zusammen. Man wollte damals, weil man (angeblich) vermutete das Erdöl werde knapper, die Menschen zu ökonomischeren bzw. stromsparenden Verhalten bewegen. Das hat ja sehr viel gebracht. Erdölbedingt geschahen danach unter anderem die drei Golfkriege oder auch der Sturz vom libyschen Machthaber Muammad al-Gaddafi. Es geschahen keine weltweit signifikanten ökonomischen und ökologischen Ereignisse, sodass der Planet „Erde“ viel nachhaltiger behandelt wurde.
Das mag eine düstere Ansicht sein, doch es ist einfach so.

Zeit ist Geld, heißt es doch so schön. Das ist richtig. Zumindest dann, wenn man diesen zwei Phantasieprodukten Glauben schenkt.

Wenn der Mensch wenigstens die Zeit für sich gut nutzen würde, also wirklich für sich, damit meine ich in der Zeit, in der der Mensch den Durst seiner Seele wirklich stillen will, was ihn dann eben zu einem Menschen macht und nicht zu einen Bio-Roboter, der den Märkten (und kranken Inhalten) zum Opfer fällt, dann wär der gregorianische Kalander gar nicht mal so tragisch. Leider wird, wie wahrscheinlich Seneca es auch so sah, die Zeit nicht gut genutzt. Wie folgt wirst du Wörter, bezüglich der Zeitnutzung, von Seneca lesen (Aus Senecas Briefen, Sen.epist.1):

(1)Tue es so, mein Lucilius; rette Dich dir selbst; sammle und bewahre Zeit, die Dir bald geraubt, bald entwendet wurde, bald entschlüpfte. Glaube mir, es ist so, wie ich schreibe: ein Teil der Zeit wird uns entrissen, ein anderer unbemerkt entzogen, ein dritter zerrinnt uns. Doch der schimpflichste Verlust ist der, der aus Nachlässigkeit; und betrachten wir es genauer; und betrachten wir’s genauer, so verfließt den Menschen der größte Teil der Zeit, indem sie Übles tun, ein großer in dem sie nichts tun, das ganze Leben, indem sie andere Dinge tun als sie sollten.

(2) Wen willst du mir nennen, der einigen Wert auf die Zeit legte, der den Tag schätzte der es einsehe, dass er täglich stirbt? Das ist unser Irrtum, dass wir den Tod in der Zukunft schauen; er ist zum großen Teil schon vorüber; was von unserem Leben hinunter liegt, hat der Tod. Also, mein Lucilius, tuen wie Du schreibst; halte alle Stunden zusammen; ergreife den heutigen Tag, so wirst Du weniger von dem morgigen abhängen.

(3) Indem man das Leben verschiebt, eilt es vorüber. Alles, mein Lucilius, ist fremdes Eigentum, nur die Zeit ist unser. Dieses so flüchtige, so leicht verlierbare Gut, ist der einzige Besitz, in den uns die Natur gesetzt hat; und doch verdrängt uns daraus, wer da will. Und so groß ist die Torheit der Sterblichen, dass sie das Geringste und Armseligste, wenigstens das Ersetzbare, haben sie es empfangen, sich aufzurechnen lassen, dagegen niemand sich in Schuld glaubt, wenn er Zeit erhalten, während diese doch das einzige ist, was auch der Dankbare nicht erstatten kann.

Paolo Coelho schrieb in seinem Buch „Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt“ folgendes, was Seneca höchstwahrscheinlich unterstreichen würde:

Was ist eigentlich an den Menschen so witzig? Sie denken immer verkehrt herum: Sie wollen schnell erwachsen werden und sehnen sich später nach der verlorenen Kindheit. Um Geld zu verdienen setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel und geben später viel Geld aus, um wieder gesund zu werden. Sie denken so sehr an die Zukunft, dass sie die Gegenwart vernachlässigen und sterben als hätten sie nie gelebt.

Mit aller Kraft will ich mich dagegen stellen, sollte es zu dem Vorwurf kommen, ich interpretiere zu viel aus den Worten von Seneca oder Coelho. Auf demselben Pfad, den die Meisten gehen, bin ich auch gegangen. Auf demselben Pfad, der dazu führt das Kind, das man in sich hat, zu verlieren und als Erwachsener dem Kinde nachzuweinen, welches eine Freude bereitete - von dem Pfad habe ich mich abgewandt. Auf demselben Pfad sind viele Mitmenschen, die mir in gewisser Weise gut taten und auch Übel taten - so ließ ich sie dennoch diesen Pfad ohne mich beschreiten. Auf demselben Pfad, der mir nur ein dunkles Ziel vor Augen schien ließ, auf diesem Pfad lernte ich Dankbarkeit. Ich bin dankbar sowohl für die guten Zeiten als auch für die schlechten Zeiten. Wohlbedacht will ich Senecas Rat folgen. Die Zeit will ich sammeln und für mich bewahren.

Was ist schon die Zeit?
Nie hat sie uns befreit.
Oh Nein, das Gegenteil trifft eher zu.
Sie beschränkt unser Leben im Nu‘.
Nach ihr bestimmen wir unsere Rast,
bemerken aber nicht, das ist unser Knast.
Wir denken, wir beherrschen sie,
in Wirklichkeit sind wir ihr Vieh.
Sie füttert uns.
Nach allen Regeln der Kunst,
nehmen wir sie vergoldet heran,
binden sie das Handgelenk an,
belastet mit diesem unsinnigen Lot,
warten wir auf unsern so befürchteten Tod.

Was ich mit diesem Text versuche zu vermitteln ist etwas, das viele Menschen nicht verstehen. Die meisten denken, dass sie ein Jahr älter werden und dem Tod näherkommen. Mit diesem Text will ich eigentlich nur sagen:

Heute ist dein Geburtstag! Du bist deiner Vollkommenheit nähergekommen! Feiere deine Vervollkommnung! Feiere dein bisheriges Wachstum!
Erwarte keine Geschenke! Wozu auch?! Etwa, weil du eine Glanzleistung erbracht hast bis hier gekommen zu sein? Greif’ nicht zur Flasche, um zu feiern. Das spräche gegen den Vorsatz von Seneca, die Zeit für sich zu sammeln. Atme tief ein und aus und erreiche deine Ziele. Dem Universum ist egal, ob du Geburtstag hast oder nicht. Wenn es für dich etwas vorsieht, dann hat das Universum das nun mal entschieden.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, du hast die nächste Etappe überschritten, deinen Zielen näherzukommen. Halte nicht an dir fest, sondern an deinen Zielen, denn sie sind wahrlich du.