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#meinErsterTweet

Twitter
Bild: Pixabay / LoboStudioHamburg - Twitter im Alltag

Der Mensch in der westlichen Welt befindet sich in einem Zeitalter, das sehr viel technischen Wandel auf sich nimmt. Das betrifft auch die Kommunikation und das soziale Gefüge. Durch das Internet wurde es dem Menschen ermöglicht, sich überregional und weltweit vernetzen zu können. Das hat Vor- und Nachteile. Zwar kann man immer erreichbar sein, aber der virtuelle Kontakt, sei er noch von so schönen Emotionen begleitet, kann den Genuss wahrer kommunikativer Nähe nicht ersetzen. Es mag vielleicht eine zu nostalgische Ansicht sein, doch gibt es viele Verfechter dieser Ansicht.

Was das heutige soziale Miteinander angeht, bilden die Plattformen auf denen sich der Mensch begibt, Brücken für jede Alltagsform. Soziale, berufliche, künstlerische oder auch juristische Inhalte werden über SocialMedia verbreitet. Diese Form Menschen zu erreichen mag ich persönlich nicht wirklich. Doch wenn ich mit meinen Inhalten und Informationen Menschen erreichen will, hänge ich von dieser Form ab.

Letztens sah ich eine Verfilmung über das Leben von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Im Jahre 1945 gründete Sartre eine politisch-literarische Zeitschrift mit dem Titel „Les Temps modernes“. Damals konnte man nur über Printmedien die Leser erreichen. Heute ist es teilweise immer noch so. Allerdings ist das Segment der Online-Redaktion viel stärker geworden. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig auch über die sozialen Netzwerken zu agieren.

Heute, genau heute, ist der Tag, an dem ich meinen ersten „Tweet“ auf „Twitter“ veröffentliche. „Wie toll, Daniele. Das ist nichts besonderes“, höre ich schon die virtuellen Hallen der sozialen Netzwerke schallen. Für mich allerdings ist es etwas besonderes. Nicht weil ich „Twitter“ feiere oder sonst irgendeine soziale Plattform, sondern weil ich mich bewusst dafür entschieden habe, um eine gewisse Leserschaft zu erreichen. Wenn mir jemand verklickern will, dass jeder sich bewusst dafür entscheidet sich auf solchen sozialen Netzwerken anzumelden, dann glaub ich das schlicht und ergreifend nicht. Sicherlich gibt es Menschen, die mit Menschen in Verbindung stehen wollen, welche an anderen oder weinentfernten Orten wohnen. Viel mehr halte ich es für eine kollektive Konditionierung, diese Plattformen zu nutzen. Nun bin auch ich Teil dieser Konditionierung. Bewusst habe ich es abgelegt, mich gegen die Welle des SocialMedia-Zeitalters zu stellen. Stattdessen versuche ich diese für mich und meinen Wunsch nach meinen Traumberuf als Schriftsteller zu nutzen. Was daraus wird zeigt die Zeit.

Facebook, Twitter und Google, ihr habt mich für euch gewonnen. Gebt mir auch jetzt auch die Chance andere für mich zu gewinnen.

Für alle, die diesen Artikel gelesen haben sollten: Ich will keinen Menschen kränken, weil er sich auf sozialen Netzwerken begibt. Unausstehlich war es für mich zu sehen, wie sehr wir, die Menschen, unsere eigene Spezies verraten und uns der Digitalisierung hingeben. Enttäuscht gegenüber mir Selbst, muss ich mir eingestehen, dass ich in einem falschen Zeitalter geboren bin. Viele Menschen denken vielleicht ähnlich wie ich. Wir stellen eine Charakterverwandtschaft dar.

Denn wir merken auch irgendwann, dass wir uns selbst etwas vorheucheln. Wir sind gegen den Kapitalismus, halten uns auf sozialen Netzwerken auf und kaufen über Amazon ein. Rebellisch gegenüber diesem System kaufen wir über Amazon (oder vielleicht über irgendeinen anderen Online-Shop) „Siddharta“ von Hermann Hesse und lesen es in der ausgedruckten Version oder auch auf dem Kindle (bzw. E-Book-Reader). Meine Lieblingspassage ist folgende:

„Oft saßen sie am Abend gemeinsam beim Ufer auf dem Baumstamm, schwiegen und hörten beide dem Wasser zu, welches für sie kein Wasser war, sondern die Stimme des Lebens, die Stimme des Seienden, des ewig werdenden.“

Ich freue mich alle auf Facebook, Twitter und Google+ begrüßen zu können, die auch gern diesem Wasser lauschen wollen.

Das war mein erster Tweet.
Gruß.
Daniele Pecoraro