Andersartige Texte lesen

Mein philosophisches Projekt

Neon Evangelion Nemesis Final
Bild: Ausschnitt aus Neon Evangelion Nemesis

Als ich die Serie „Neon Evangelion Nemesis“ gesehen hatte, dachte ich tagelang über die Serie bzw. über das Ende der Serie nach. Denn am Ende der Serie (kein direkter Spoiler) kam auf einer psychedelischen Ebene eine Reflexion vor, die aus der Beantwortung philosphischer Fragen bestand. Diesen philosophischen Fragen habe ich mich gestellt. Tatsächlich bildete ich mir ein, dass ich das mal so locker weg schreibe. Das Ergebnis ist eine Schreibarbeit von 3 Monaten. Hier sind Auszüge aus meinem Tagebuch. Wahrscheinlich wirkt das für jeden Leser einfach nur wie dahingeklatsche Gedanken. Eventuell kann aber auch - wenn man sich auf die Auszüge meiner Schriften einlässt - ein essayistischer Charakter wahrgenommen werden. Es war auch nicht wirklich leicht, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen.

Heute geht es mir wieder nicht so gut. Mir ist übel und ich habe Kopfschmerzen. Ich sah mir heute die letzten zwei Folgen aus „Evangelion Nemesis“ an, die sehr gut gemacht sind.
Hier ein Ausschnitt philosophischer Fragen aus den letzten zwei Folgen:

.
Ich möchte mich heute mit den philosophischen Fragen von Evangelion Nemesis beschäftigen.

Wovor hast du Angst?

Diese Frage kann jedes Individuum, sowohl sachlich und neutral, als auch einseitig und emotional, beantworten. Wenn ich diese Frage höre (oder auch lese) ist meine erste Antwort: „Ich habe vor nichts Angst“. Doch dabei gibt es Situationen, bei denen doch eine Angst verspürt wird. Durch stressige Situationen, durch finanzielle Mängel oder auch durch Schockmomente. Natürlich kann dagegen argumentiert werden, dass dies keine Kernängste seien, sondern viel eher situative Ängste. Welche Kernangst kann es dann geben? Die Angst davor nicht geliebt zu werden oder allein zu sein. Dabei sollte man sich fragen, von wem man geliebt werden will und ob es auch wert ist, von diesem jemanden geliebt zu werden. Einst las ich von Gerald G. Jampolsky „Lieben heißt die Angst zu verlieren“, ein Buch, in dem durch verschiedene Lektionen dargestellt wird, sicherer gegenüber seinem Selbst zu stehen. Daraus könnte auch für sich entnommen werden, dass das Gegenteil von „Angst“ „Liebe“ und „Hoffnung“ ist. Wer also (generell) liebt, sich liebt (also nicht „selbstverliebt“ ist, Streit mit sich selbst hat und mit sich selbst Kompromisse eingeht) und hofft, der hat keine Angst. Die Frage ist: Kann man permanent lieben und hoffen?
. Mit den anderen Fragen beschäftige ich mich die Tage. Das wollte ich eigentlich heute machen. Die Müdigkeit hat mich aber eingeholt.

Endlich habe ich es geschafft. Der B2-Kurs ist vorbei. Ich muss nicht mehr in die andere Stadt fahren, um den Unterricht zu führen. Dafür muss ich aber Aufgaben ohne großen geistigen Anspruch übernehmen. Lust habe ich nicht wirklich darauf. Hoffentlich geht der Tag schnell vorbei.

Dass der Tag schnell vorbeigeht, dafür gibt es Anzeichen.

Bis jetzt grade noch, habe ich jedem aus dem Kurs eine SMS geschrieben, in der drinsteht, dass ich ihnen viel Erfolg in der Prüfung und im weiteren Leben wünsche. Bis 13 Uhr muss ich mich aber noch irgendwie sinnvoll beschäftigen. Ich ruf gleich den Kollegen an, und schaue mal ob er schon die Einloggdaten für mich hat. Wenn ich danach nichts machen kann, schreibe ich hier weiter.

Trennungsangst?

Diese Angst ist keine spezielle Angstform. Jede Angst ist eine Art von Trennungsangst. Bei jeder (so würde ich es jetzt sagen) ist man an etwas gebunden und wenn man dann in Bedrohung durch irgendetwas steht, wodurch man sich von etwas trennen muss, dann entsteht diese Angst. Bei Demian hat Emil Sinclair (also Hermann Hesse) Angst vor dem Jungen, der ihm gedroht hat, die Geschichte, die Sinclair erzählt hat (er habe etwas Schlimmes getan, was überhaupt nicht stimmte, da er nur imponieren wollte), seinen Eltern weiterzusagen, deshalb musste Sinclair dem Jungen immer Geld geben. Sinclair hat nur deshalb Angst, weil er vor seinen Eltern wie ein kleiner Teufel dastehen würde. Er hat also Angst, sich davon zu trennen, wie seine Eltern ihn ansehen. Selbst wenn ein Durchschnittsbürger in eine Schuldenfalle gerät, hat er nicht Angst vor den Schulden selbst, sondern nur davor, dass er viel Materielles, das seine Seele ausfüllt, verliert. Es sollte bei jedem Mal, wenn eine Bindung an eine Sache besteht, sich selbst gefragt werden, ob es sich lohnt, sich an diese Sache zu binden und somit im Ernstfall für die Sache, an der man sich gebunden hat, Angst zu verspüren.

Sind es Bindungen?

Immer sind es Bindungen. Es gibt (leider) nichts, an dem nichts gebunden ist [„leider“ deshalb, weil es Sachen gibt, mit dem sich jemand nicht identifizieren möchte oder nicht in Verbindung gebracht werden will, aber trotzdem einfach immer „irgendwie“ in Verbindung steht]. Jeder ist mit jedem und alles ist mit allem verbunden. Geistig stark, ist der, der sich vergegenwärtigt, dass er nie von etwas getrennt werden kann und sowohl erstrecht mit dem in Verbindung steht wie auch immer das präsent ist, was er am meisten liebt.

Hast du Angst nicht mehr da zu sein?

Die Angst nicht mehr existent zu sein ist ähnlich wie die Trennungsangst zu sehen. Was würde es bedeuten, wenn eine Angst vorhanden ist nicht mehr da sein zu können? Wie soll das aussehen? In welcher Form soll ein Mensch nicht mehr da sein? Durch den Tod? Durch das Sterben und somit durch das Eintreten in eine andere Welt? Ist der, der nicht mehr da ist, auch wirklich nicht mehr da bzw. ist er wirklich weg? Wer gestorben ist, muss nicht wirklich inexistent sein. Die alten Griechen sind alle schon vor Jahrtausenden gestorben und dennoch sind sie existent. Sie bestimmten unsere Tugenden und bestimmen auch heute moralische Grundpfeiler für Staaten. Hatten sie Angst nicht mehr da zu sein oder wussten sie schon immer, dass sie immer da sein werden? Die Frage sollte eher lauten: Hast du Angst nicht mehr für jemanden oder etwas da zu sein? Weil man einem nicht mal in einer Situation nicht helfen kann, heißt es nicht, dass man nicht für diesen einen nicht da ist. Auch wenn derjenige grad physisch nicht da ist, ist er dennoch für denjenigen im Geiste da und somit existent. Keiner kann sich wohl vorstellen, was es heißen würde, wenn man selbst gar nicht erst existent wäre. Wie soll man für den kleinen Bruder oder die kleine Schwester nicht existent sein, wenn man selbst (allerhöchster kosmischer Wahrscheinlichkeit) das Motiv ist bzw. Motive gegeben hat, den kleinen Bruder oder die kleine Schwester erzeugen zu lassen? Genau so gilt es auch in anderen Beziehungen.

Willst du artig sein?

Solange die Frage nicht beantwortet ist, was es überhaupt heißt „artig“ zu sein, kann auch nicht diese Frage nicht beantwortet sein. Meistens wird mit dem Ausdruck „artig“ als ein Verhalten beschrieben, dass keine „Schadensfreude“, „Boshaftigkeit“ auch kein „gesellschaftlich anerkanntes Fehlverhalten“ darstellt. Schlechterdings sollte nicht die Semantik des Begriffs außer Acht gelassen werden. „Artig“ ist ein Adjektiv, das aus dem Nomen „Art“ entspringt. Fraglich ist nun welche „Art“ in seinem „artig“ sein (oder auch in seiner „Artigkeit“) vorhanden ist. Wenn die „Art“, die ausgelebt wird, nach eigenen beständigen ethischen und moralischen Grundprinzipien bestimmt wird, dann ist die Antwort auf die Frage, ob ich artig sein will, definitiv: „Ja!“.

Bin ich glücklich?

In diesem Moment bin ich nicht glücklich. Das erklärt schon mal, dass das „glücklich sein“ eine zeitbezogene Komponente hat. Damit ist gemeint, dass man nicht zu jeder Zeit oder permanent glücklich ist. Zudem ist hinzuzufügen, ob man selbst glücklich sein will oder auch nicht. In Momenten eines schlechten Wohlergehens, kann man doch auch glücklich sein, indem die Augenblicke des Glücks so stark verinnerlicht werden, dass sie in diesem Moment des schlechten Wohlergehens an Signifikanz gewinnen.

Was ist Glück?

Glück ist die Summe der Momente, in denen sich ein Mensch so wohl fühlt, dass er sich wünscht: „mögen diese Momente nie zu Ende gehen!“.

14.58 Uhr. Seit über einer Stunde sitze ich bei der Agentur für Arbeit. Allmählich frage ich mich, warum sie uns nicht einfach erschießen. „Du willst arbeiten, aber du bist ein hoffnungsloser Fall – Peng – Kopfschuss“. Das wäre viel besser, als mich geistig sterben zu lassen. Verkümmernd sitzt man immer in diesen Behörden.

Controlling. Ist das wirklich das Richtige für mich? Ich weiß es einfach nicht. Ich weiß nicht, was richtig für mich ist außer schreiben, lesen und Sport. Doch hinsichtlich des Arbeitsmarktes kann ich erstmal leicht über dem Durchschnitt Geld verdienen, was nicht verkehrt sein kann. Mal schauen inwieweit ich mich da rein manövrieren kann.

In diesem Moment sitze ich im Zug. Und mache mir Gedanken zu folgender Frage:

Was willst du wirklich?

Schleierhaft scheint mir diese Frage zu sein, da diese Frage meines Erachtens beinhaltet, dass ein Bezug auf Wunschebenen vorhanden sein muss. In einer gewissen Wunschebene, will man viel Geld für sich haben und in einer anderen Wunschebene will man der Natur nicht schaden. Wer wirklich sich seines Selbst bewusst ist, der weiß auch, dass diese zwei Wunschebenen in dieser Welt, die den Virus „Mensch“ beherbergt, nicht im Einklang stehen. Somit kann man „wirklich“ wissen was man will, aber man kann es leider nicht umsetzen, weil die Wunschebenen mit einander korrelieren, es sei denn man hat einen Preis zu bezahlen, der einem selbst zu teuer oder schmerzhaft ist. Der Preis bestimmt darüber hinaus, wie sehr man etwas will.

Grad noch eine Diskussion gehabt. Wir sprachen, und darauf will ich jetzt ein Hauptaugenmerk zufügen, über die indirekte Rede mit dem Konjunktiv 1. Ich wusste gar nicht, - zumindest war ich davon nicht überzeugt –, dass die indirekte rede immer mit dem Konjunktiv 1 genutzt wird, wie wenn ich z.B. sage (bzw. schreibe) , „Sie sagte, dass sie es eilig habe.“ Sage (oder schreibe) ich jetzt „Sie sagte, dass sie es eilig hatte“, dann ist das nach meinem jetzigen Wissenstand falsch, genauso wie wenn man sagen würde, „Sie sagte, dass sie es eilig hat“. In der Umgangssprache soll es legitim sein, sowohl wenn man es sagt, als auch wenn man es schreibt. In Zukunft will ich darauf achten, die Sätze in der indirekten Rede mit dem Konjunktiv 1 zu schreiben.

Ich habe mir selbst schon mal die Antwort auf diese Frage in einem Buchprojekt, das ich mal angefangen habe, beantwortet. Hierzu Ausschnitte.
Neo: Ward ihr das? (Er sagte das, weil die Risse in einem Spiegel verschwanden)
Morpheus: Hattest du mal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien? Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und Realität?
Neo: Das kann nicht sein.
Morpheus: Was? Realität?

Als ich diese Szene im Film sah, habe ich erst beim dritten oder vierten Filmerlebnis, einmal auf Pause gedrückt und darüber nachgedacht.

Was haben unsere Träume damit zu tun? Da kam mir auf einmal sogar der Film „Inception“ von Christopher Nolan im Kopf. Was also, verdammt nochmal, haben unsere Träume mit der Realität zu tun? Ist mein Traum real? Ist es die Wahrheit?

Zumindest ist es Fakt, dass ich den Traum geträumt habe, somit also auch irgendwie die Wahrheit. Aber ist der denn wirklich real? Einer sagte mir, dass die Realität, das ist, was er sehen und anfassen kann. Ich sehe doch im Traum ja auch etwas. Nur nicht mit den Augen. Die sind ja schließlich zu wenn ich schlafe. Aber ich sehe es. Ganz deutlich sogar. Und nicht nur das. Ich fühle es auch. (...) Dann ist das ja real. Es muss ja stattgefunden haben.

Soviel erst mal dazu was Träume mit der Realität auf sich haben können. Ich zeige mal einen weiteren Dialog aus „Matrix“ auf, der die Realität beschreiben könnte:

Morpheus: Neo, du wolltest wissen was die Matrix ist. Trinity.
(Trinity schließt ihn an einem Stuhl an)
Versuch dich zu entspannen. Das fühlt sich jetzt etwas komisch an.
(Aufeinmal halten sich Morpheus und Neo in einem weißen Raum auf)
Das hier ist das Konstrukt. Unser Ladeprogramm. Wir können alles laden. Räume, Kleidung, Zubehör, Waffen, Trainingssimulationen, alles was wir brauchen.
Neo: Das heißt wir sind jetzt in einem Computerprogramm?
Morpheus: Ist das wirklich so schwer zu glauben? Die Anschlüsse an deinem Körper sind weg, Du trägst andere Kleidung. Deine Frisur ist ganz anders. Deine momentane Erscheinung nennen wir das „Restselbstbild“. Die mentale Projektion deines digitalen Selbst.
Neo: Das hier ist nicht wirklich?
Morpheus: Was ist die Wirklichkeit? Wie definiert man das, Realität? Wenn du darunter verstehst, was du fühlst, was du riechen, schmecken oder sehen kannst, ist die Wirklichkeit nichts Weiteres, als elektrische Signale, interpretiert von deinem Verstand. Das hier ist die Welt die du kennst. (Morpheus zeigt ihm dabei New York in einem kleinen Fernseherbild­schirm) Die Welt am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie existiert inzwischen nur noch als Teil einer Neurointeraktiven Simulation, die wir als Matrix bezeichnen. Du hast bisher in einer Traumwelt gelebt, Neo.

Die Szene erzeugte bei mir einen kognitiven Absturz. Lebe ich zurzeit in einer Traumwelt oder was? Will er mir sagen, dass ich etwa schlafe? Schlafe nur ich? Oder schlafen wir alle? Bzw. träume ich oder träumen wir alle? Ist mein Leben real oder nicht? Ist das Leben meiner Mitmenschen real? Was ist nun überhaupt real? Spielt sich die Realität nur in meinem Gehirn ab? Wenn es so ist, träume ich dann doppelt? Ist mein Leben und mein Schlaftraum teil einer Traumwelt? Wenn das so ist, woran ist dann mein Gehirn angeschlossen? Es heisst doch, dass wir nur 15% unseres Gehirns nutzen (wenn das wirklich überhaupt so ist). Wo sind die anderen 85% meiner Nutzungsfähigkeit? An einer Maschine? Oder vielleicht auch im Kosmos? Wenn in meinem Gehirn, die Wirklichkeit nichts Weiteres ist, als elektrische Signale, die interpretiert von meinem Verstand sind, wie in dem Film „Matrix“ gezeigt wurde, kann ich diese Signale selbst steuern?
Werden diese überhaupt gesteuert? Wenn ja, wer tut das? Ich selbst oder jemand anderes?

Mein Artgenosse du, voll Fragen, auf die Antwort ich bestrebt bin, dir diese zu geben, kannst auch du sehen, eine konkrete Antwort, auf die Frage, die ich einst stellte, gibt es nicht eine konkrete und genaue.
Suchen kann man die Antwort überall, finden tust du nur das, was dich deines Durstes im Wissen stillt. Suchen kannst du bei deiner Familie. Suchen kannst du bei deinen Freunden. Suchen kannst du in der Wissenschaft. Suchen kannst du einfach auch in dir Selbst, was ich selbst als den besten Weg sehe. Eine Antwort, die klar ist, wirst du nur finden, wie das Ermessen der Klarheit deines Selbst ist.
Eine klare Antwort darüber, was nun Realität ist kann ich dir nicht geben. Es gibt nun mal nicht die eine Realität schlecht hin. Dafür gibt es zu viele Ansichten über die Realität. Diese Ansichten sind individuell. Es mag sich etwas gruselig anhören, aber es ist ganz einfach nun mal so, dass es bedingt dadurch viele Realitäten gibt. Wir sind soweit ich weiß 7,2 Milliarden Menschen auf diesen Planeten. Und jeder hat nicht dieselbe Ansicht von Realität. Also gibt es dann 7,2 Milliarden Realitäten.

Zudem möchte ich ein Gedicht von Hermann Hesse hinzufügen, das ich gestern las, und sehr erstaunlich fand.

Die Maschinenschlacht

Auf der Straße und in allen Fabriken
Hinter den neidischen trostlosen Mauern
Schnurren dumm und tückisch die vielen Maschinen,
Singen das Fabrikantenlied vom Geldverdienen.
Es wird nicht lange dauern,
Dann werden die Autos noch böser aus ihren Grellaugen blicken,
Noch lauter und wüster aus ihren Hupen brüllen,
Die Luft noch dichter mit Staub und Dampf
Und unsre Herzen noch dichter mit Haß erfüllen,
Und dann geht es los, dann endlich beginnt der Kampf!

Wütend greifen uns an die Maschinen,
Drücken uns brüllend an die zementenen Wände,
Rennen uns um, überfahren uns Köpfe und Hände,
Sind stark wie der Teufel, doch wehe ihnen!
Sie bestehen ganz und gar aus Verstand,
Das macht dumm und flach, es fehlt diesem Vieh
Ganz an Torheit und Liebe, an Traum, Musik, Phantasie!
Gleich ihren Schöpfern und Herren kommen sie
Viel zu happig und schnell und witzlos dahergerannt,
Und das wird ihr Verderben.

Bald haben wir Menschen die Oberhand,
Und die ganze verfluchte Mechanik muß sterben.
Maschinen, Rechenschieber und Fabrikanten,
Wir schlagen sie alle in Fetzen und Scherben,
In ihren eigenen Rädern krepieren die klugen Erfinder,
Werden zertrampelt vom sterbenden Elefanten.
Singend bleiben übrig wir Menschenkinder,
Pflanzen Bäume über den öden Ruinen,
Tanzen noch lang auf dem Grab der dummen Maschinen.
(27.06.1926)

Warum existierst du?

So oft wie mir diese Frage im Kopf schwebt, kann ich gar nicht aufzählen.

Warum existierst du?

Gestern Abend wollte ich mich schon mit dieser Frage beschäftigen. Ungelogen: Bevor ich den Mac heute in die Hand nahm, fragte ich schon mehrmals, (u.a.) aufgrund von Streitigkeiten, warum ich überhaupt existiere.

Nochmals:

Warum existierst du?

Ist es Zufall? Die Frage ist doppeldeutig gemeint.
Ist es Zufall, dass ich mich irgendwie vor dieser Frage drücke?
UND
Ist es Zufall, dass ich in meiner Gesamtheit existiere?
Zu der ersten Frage muss ich sagen, dass ich mir die letzten Tage, aufgrund verschiedenster Ereignisse, oft diese Frage gestellt habe.
Hinsichtlich der Frage, warum überhaupt eine Existenz vorhanden ist, beziehungsweise ob es Zufall ist, dass ich existiere, verweise ich auf den Existenzialismus, somit auf Jean-Paul Sartre und Albert Camus. (Es folgen Zitate und meine Kommentare in kursiv)

Zitate von Sartre:

Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet.

Sartre

Dieses Zitat kann schon eine gute Erklärung sein, warum ich existiere. Je mehr ich mich entfalte, desto mehr existiere ich, sowohl in meinem inneren und äußeren subjektiven Wahrnehmungsfeld, als auch im objektiven.

Aus „der Ekel“

Da begriff ich alles, was uns trennte: Was ich über ihn denken mochte, berührte ihn nicht, das war nichts weiter als Psychologie, wie sie in Romanen betrieben wird. Aber sein Urteil durchbohrte mich wie ein Schwert und stellte sogar mein Recht zu existieren in Frage. Und es stimmte, ich war mir dessen immer bewusst gewesen: ich hatte kein Recht zu existieren. Ich war zufällig erschienen, ich existiere wie ein Stein, eine Pflanze, eine Mikrobe. Mein Leben wuchs aufs Geratewohl und in alle Richtungen. Es gab mir manchmal unbestimmte Signale, dann wieder fühlte ich nichts als ein Summen ohne Bedeutung. (S.135)

--> Entstehen ein Stein, eine Pflanze und eine Mikrobe etwa wirklich zufällig? Sie gehören zu einem biologischen Kreislauf, wie der Mensch (leider) inzwischen auch. Doch allerdings kann die eigene Existenzberichtigung herabgewertet werden, was von einer planetarischen Moral sogar legitim sein könnte. Ehedem das so gesehen wird, ist in jedem schon ersichtlich, dass die eigene Existenz nicht mehr außer Frage steht. Eine Bewertung ist noch lange keine Erklärung warum man selbst existiert.

(...)

Er hatte immer seine Pflicht getan, seine ganze Pflicht, seine Pflicht als Sohn, als Gatte, als Vater, als Chef. Er hatte auch immer seine Rechte ohne Schwäche verlangt: als Kind das Recht; gut erzogen zu werden, in einer einigen Familie das Recht, einen makellosen Namen, ein blühendes Geschäft zu erben; als Ehemann das Recht sich widerspruchslosen Gehorsam zu verschaffen. Denn ein Recht ist nie etwas anderes als die Kehrseite einer Pflicht (S.136)

--> Beiläufig wählte ich dieses Zitat, da im Vorfeld von der Existenzberechtigung gesprochen wurde, was die folgende Frage in mir hervorbrachte: „Wenn es eine Existenzberechtigung gibt, gibt es dann nicht im Wirkungskreis seiner Existenz, Rechte und Pflichten, die einzuhalten und erfüllen sind? Demzufolge kann schon mal die Frage, warum ich überhaupt existiere, damit beantwortet werden, dass ich, sei es im Allgemeinen oder auch in einem kosmischen Sinne, Rechte und Pflichten einzuhalten und zu erfüllen habe. Alleweil kann es auch heißen, dass ich mir selbst die Rechte und Pflichten meiner Existenz aufstelle, solange sie im Radius meiner eigenen moralischen Prinzipien bleiben und sich der Radius nicht erweitert.

(...)

Wie hart und grell es war, wie gegenwärtig. Es war nichts an ihm als Gegenwart. Die Buchstaben, die ich gerade darauf geschrieben hatte, waren noch nicht mal trocken und schon gehörten sie mir nicht mehr. (S.152)

--> Merkwürdigerweise notierte ich mir auch dieses Zitat, da ich mir als Schriftsteller, eine gespaltene Existenzweise aneigne. Zwar bin ich kein konventioneller Schriftsteller, der auf Papier schreibt, sondern, wie ich schon mal erwähnte, ein Schriftsteller der neuen Weltordnung, der auf seinem Mac tippt, und auch dem das wiederfährt, wie Sartre es schreibt. Sobald das Wort getippt ist, gehört es mir nicht mehr. Also existiere ich um zu schreiben, aber ich schreibe um mich existent zu machen. Darum existiere ich.

(...)

Ich will nicht denken. Ich denke, dass ich nicht denken will. Ich darf nicht denken, dass ich nicht denken will, weil das auch wieder auch wieder ein Gedanke ist. (S.159)

--> Mysteriös ist mir dieser Gedankengang, da ich –zumindest bin ich mir da sehr sicher- ohne den Gedanken, mir die Existenz meines Selbst und aller Dinge nicht vergegenwärtigen und mir selbst nicht beantworten kann, warum ich existiere, gar zu schweigen mir überhaupt die Frage zu stellen. Doch vielleicht ist die Frage eine Qual, weshalb Sartre sich sagte, dass er nicht denken wolle und nicht denken dürfe.

(...)

Ich habe das Recht zu existieren, also habe ich das Recht, nicht zu denken (S.162)

Mein Kommentar: Ist es so wie Sartre sagt? Ist der Gedanke an sich nicht die Grundessenz der Existenz? Da er sich sagte, dass ein Recht nie etwas anderes als die Kehrseite einer Pflicht ist, kommt mir demnach eine Frage auf: „Wenn er das Recht zu existieren hat, hat er nicht dann die Pflicht zu denken?“ (Das geht auch auf Des Cartes zurück: Ich denke, also bin ich)

(...)

Es gibt Seiendes, das mit einer Art Reserviertheit reagiert wie ein Kreis zum Beispiel, oder eine Melodie. Ich überlegte, dass dieses Seiende gerade nicht existiert. Die Töne existieren; auf dem Papier existieren die Noten. Aber nicht die Melodie. Die Melodie ist etwas anderes, das ist nicht von dieser Welt.

--> Zustimmen würde ich dem nicht, denn die Melodie, wie wir Menschen sie kennen, kann vielleicht einer anderen Welt zugeordnet werden, jedoch ist die Melodie allgegenwärtig. Henry David Thoreau schrieb der Natur, also das Bellen eines Hundes, das Rauschen des Windes, der Klang des Baches oder das Zwitschern der Vögel, der Melodie und Musik bei. Während sich der Mensch fragt, ob er existiert und warum er existiert, fließt ununterbrochen die Melodie der Natur, deren Existenz der Mensch sich vielleicht beimessen sollte, da es auch sein Recht und seine Pflicht sein kann, was einzuhalten und zu erfüllen.

(...)

Ich träumte unbestimmt davon, mich zu beseitigen, um wenigstens einer dieser überflüssigen Existenzen zu vernichten. (S.203)

--> Je mehr die Existenz, die ohnehin selbst hinterfragt wird, nach eigenen Bewertungsmuster minderwertig oder überflüssig gesehen wird, desto mehr kann der Wunsch bestehen, nicht mehr zu existieren. Fraglich ist doch dann, dass wenn man einmal angefangen hat zu existieren, ob man je damit aufhören kann. Dadurch fällt die Frage, warum ich existiere, in einem Feld, das mehr an Signifikanz im Leben jedes Einzelnen gewinnt.

Über Albert Camus und seine Ansichten zum Existenzialismus:

Albert Camus ist der zweite wichtige große Vertreter des französischen Existentialismus. In seinem 1942 erschienenen Buch Der Mythos des Sisyphos (Le mythe de Sisyphe) entwickelt Camus die Philosophie des Absurden. Sich selbst nicht als Existentialisten begreifend und mehr in der Tradition der französischen Moralisten stehend, fasst er aber in ähnlicher Weise wie Sartre die Welt auf als nicht von sich aus sinnhaft, weil durch den Menschen erst Sinn erhaltend. Damit gilt letztlich auch für Camus die von Sartre geäußerte Überzeugung, dass die Existenz der Essenz vorausgehe. Allerdings kulminiert das philosophische Fragen für Camus in der für ihn einzig wichtigen Frage, der nach dem Selbstmord. Der Selbstmord ist hier als Lösung, Loslösung von einer sinnlosen Welt gedacht: Warum leben, wenn doch alles sinnlos ist? Allerdings wird der Selbstmord von Camus abgelehnt; sich umbringen hieße dem Absurden erliegen.

--> (Vermerk: Dies ist nur ein Ausschnitt zu Camus’ Sicht zum Existenzial aus einem Wikipedia-Artikel. Von Camus las ich bisher nur „Der Fremde“ und „Die Pest“. „Der Mythos des Sysiphos“ habe ich bisher nicht gelesen. Ob die Interpretation des Wikipedia-Artikels einer objektiven Richtigkeit entspricht kann ich insofern nicht beurteilen) Wahrscheinlich ist die Absurdität des Menschen nach Camus dem obenstehenden Zitat (bzw. dem zuletzt von mir kommentierten Zitat) gleich, was in der existenzialistischen Überzeugung den Wunsch hervorhebt dem Leben ein Ableben beizusetzen. Doch wenn das Zitat von Sartre („Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet“) herbeigenommen wird, kann die Entfaltung des Ichs auch der Ausweg aus dem Absurden darstellen. Vermutlich ist die Entfaltung sogar der einzige Ausweg aus dem Absurden.

Mit dem Bewusstsein, dass alles absurd ist, weiterleben, dem Absurden so ins Auge sehen, ist für Camus die anzustrebende Revolte gegen das Absurde. Wenn wir weder Vertrauen in einen Gott noch in unsere Vernunft setzen können – was bleibt dann als Sicherheit? Nichts! Für den modernen Menschen gibt es diese Sicherheit nicht. Hier liegt auch seine Ablehnung des Existentialismus als System: Ein System suggeriert eine Ordnung, die Camus so nicht sah. Damit treibt er die Überlegungen des Existentialismus auf die Spitze. Seine Antwort liegt in der ständigen Revolte des Menschen. Indem der Mensch das absurde Verhältnis von Mensch und Welt anerkennt, akzeptiert er sich als ein Wesen, das frei ist. Im Mythos des Sisyphos wird dies exemplarisch an dem besagten Mythos erläutert. Indem Sisyphos seine Strafe erträgt, annimmt, sich aber nicht von der Bürde der ewigen Qual erschüttern lässt, sondern die Götter verlacht, zeigt er die Größe des modernen Menschen, der sein absurdes Schicksal bewusst lebt. Seine philosophischen Gedanken finden sich auch in seinen literarischen Werken wieder. Immer wieder legen die Personen die Haltung des gegen die sinnlose Welt revoltierenden Menschen dar, so z. B. im Gespräch Meursaults mit dem Anstaltsgeistlichen und seinen anschließenden Gedankengängen in „Der Fremde“.

--> Diese sogenannte Revolte hat offenbar keine feste Form. So wie oben schon beschrieben, wird die Revolte nichts anderes sein als die Entfaltung des Ichs. Ferner ist dabei zu beachten, dass die Eventualität besteht, nicht wahrlich frei zu sein, sondern vielmehr sich durch die Entfaltung frei zu fühlen. Wodurch dann auch die Revolte (oder auch Entfaltung des Ichs) absurd ist und somit einfach alles absurd ist. Das Leben leben oder sich das Leben nehmen, ist vielleicht immer im Bereich der Absurdität. Graduell wird sich die Absurdität wohl durch das Sterben auflösen, da schon allein das Ableben einen Übergang in das Nicht-Menschsein einnimmt.

Als persönlichen Bezug auf die Frage, gibt es für mich nur eine Antwort, die ich schon immer, sogar seit meiner Kindheit, wusste: Weil ich ein Botschafter bin.

. Fazil Say höre ich in diesem Moment, im Büro und Chefsessel meiner Chefin. Es ist langweilig hier. Ich muss sie vertreten, da sie im Urlaub ist. Was die „Arbeit“ anbelangt, kann ich nur sagen: Ich habe nichts zu tun. Deshalb widme ich mich bei der Arbeit meiner eigentlichen Arbeit, nämlich dem Lesen und Schreiben. Inspirierend unterstützt mich dabei die Musik von Fazil Say, bzw. auch seine Persönlichkeit. Seine Hingabe für Musik, zeichnet seine Professionalität aus, die ich im Schreiben schwer erlangen kann. Die Hoffnung gebe ich aber nicht auf. So wie er auf die Klaviertasten tippt, so tippe ich auf meinem Mac. So wie er wertvolle Kunst erschafft, so erschaffe ich wertvolle Kunst. Zumindest ist das meine Motivation und Hoffnung.

Für wen existierst du?

Originell kann diese Frage als die personenbezogene Frage (Warum existierst du?) gesehen werden. Hinter einem „Warum?“ steckt auch immer ein „Wer?“ (bzw. „Was?“, wobei, wenn gefragt wird „Für was existierst du?“, wird es sicherlich in der Antwort einen ähnlichen Ausgangspunkt geben wie bei der Frage „Warum existierst du?“). Wird der Existenz einen Sinn dadurch gegeben, dass sie durch einen Menschen oder mehreren Menschen gesetzt wird, so wird die Dependenz vom eigenen Leben anhand dieser Individuen bestimmt. Wer sagt „Ich existiere für mich“, der findet zwar in seiner Eigensinnigkeit eine Existenzberechtigung, doch gewiss sollte auch für denjenigen sein, dass das „für sich existieren“ durch andere Menschen erst ermöglicht wurde, sei es im physischen als auch im geistigen Sinne. „Für sich zu existieren“ ist meiner Ansicht nach eine gute Lebensweise. Richtiggehend muss ich mir eingestehen, dass ich als Botschafter nicht wirklich „für mich existiere“, sondern für das Gemeinwohl im planetarischen Sinne.

Mir brummt der Schädel als würde er gleich platzen. Ich fühle mich erdrückt. Ohnmachtsanfälle hatte ich zwar nicht, doch es kommt mir so vor als hätte ich welche gehabt. Das Training war vielleicht zu hart. Selbstgenierend liege ich auf dem Bett und versuche mich dem Schreiben zu widmen. Diese philosophischen Fragen aus Evangelion Nemesis haben es echt in sich. Ich muss schreiben. Egal was kommt. Ich muss schreiben. Und wenn ich dabei mit dem Mac in meinen Händen sterbe. Ich muss schreiben.

Eine Woche ist es her, dass ich die letzten 2 Folgen von Evangelion Nemesis gesehen habe und mich bislang mit den Fragen beschäftige. Wie ich auch gestern schon sagte, haben es die Fragen echt sehr in sich. Wie z.B. die nächste:

Freust du dich am Leben zu sein?

Einst zitierte Schopenhauer Sophokles:
Nie geboren zu sein, das ist
Weit das Beste – Doch wenn man lebt,
Ist das das Zweite, woher man kam,
Dorthin zu kehren, so schnell wie möglich.

Bei einem Blick auf dieses Zitat, sollte klar sein, dass jeder mal solche Gedanken hat. In andern Worten, ist jeder mal nicht erfreut grad am Leben zu sein. Sich wahrlich darüber freuen am Leben zu sein, mit allen Schicksalsschlägen, die im Leben vorhanden sind; wer kann das schon? Erst in Momenten des für sich wahrgenommen vollkommenen Glücks (Glück im Allgemeinen ist die Summe der Momente, in denen sich ein Mensch so wohl fühlt, dass er sich wünscht: „mögen diese Momente nie zu Ende gehen!“ --> Donnerstag, den 13.07.17) bzw. Wohlergehens, kann man sich freuen am Leben zu sein. Wie soll das denn sonst anders sein? Wie kann man sich freuen am Leben zu sein, wenn man •um 6 Uhr morgens aufsteht, •sich duscht, •frühstückt, •um 7 Uhr zur Arbeit fährt, •von 8 bis 17 Uhr stumpf vor dem Computer arbeitet, •wieder nach Hause fährt, •um 18 Uhr häusliche Pflichten angeht, •eventuell den Frust eines Partners oder Kindes abbekommt, •nebenbei (vielleicht sogar ungesund) essen, trinken, pinkeln und scheißen muss, •um 22 Uhr im Bett liegt und sich fragt: „Was war das denn wieder für ein scheiß Tag?“

Wirklich nur in schönen Momenten kann man sich freuen am Leben zu sein oder zumindest dann, wenn man in elenden Momenten sich die schönen Momente so vergegenwärtigen kann, dass sie sehr stark präsent für das Individuum sind. Schöne Momente, in denen ein Partner zum anderen „Ich liebe dich“ sagt und es wirklich so meint. Schöne Momente, in denen man bei sonnigem Wetter mit Freunden im Park grillt und chillt. Schöne Momente, in denen man die ganze Familie um sich hat und alle glücklich sind, weil ein Familienmitglied heiratet. Schöne Momente, in denen man bei der Arbeit hört, dass man eine gute Arbeit macht und ein guter Mensch ist. Schöne Momente, wie am Strand zu sein und dem Meeresrauschen zu horchen. Genau jetzt, während ich das Meer vor Augen habe, freue ich mich am Leben zu sein.

Gedanklich zurückkehrend zu dem obenstehenden Zitat, ist hinzuzufügen, dass wenn es besser wäre, nie geboren zu sein und das zweitbeste ist, schnellstmöglich dorthin zu kehren woher man kam, im Vorfeld erst herausgefunden werden muss, woher man wirklich vorher gekommen ist. Woher kam ich? Wer das nicht wirklich weiß, der sollte sich daran erfreuen am Leben zu sein, denn der Ort woher man kam, muss sicherlich nicht besser sein, als der Ort wo man hinkommt, wenn man geboren wird. Höchstwahrscheinlich ist es wohl doch schon so, dass es besser wäre nie geboren zu sein. Dessen ungeachtet ist meine Verbundenheit zum Meer bzw. fließendem Wasser, ein Indiz dafür, dass ich genau daherkomme, aus dem Wasser. Dieser Gedanke „ich komme aus dem Wasser“, oder besser noch „ich bin das Wasser“ und „bald werde ich wieder da sein“, schenkt mir viel Freude im Leben.

Magst du es traurig zu sein?

Mit einer Gegenfrage soll diese Frage beantwortet werden: „Wer mag es schon traurig zu sein?“ Trauer oder Traurigkeit ist meist verbunden mit Schmerz. Wer es mag traurig zu sein, der mag es auch sich selbst zu verletzen. Nun besteht die Frage, ob das so schlimm ist, da jeder für sich entscheiden kann, wie er sich fühlen möchte. Kann es schaden traurig zu sein oder sich (bewusst) selbst zu verletzen? Auf kurze Dauer kann das schädlich sein, aber auf lange Dauer vielleicht nicht. Im Film „Vanilla Sky“ fielen folgende Worte: „Du wirst nie den exquisiten Schmerz jenes Mannes kennenlernen, der allein den Nachhauseweg antritt; denn ohne das Bittere, Baby, ist das Süße nicht so süß“. Insofern kann das „traurig sein“ förderlich sein, um das „freudig sein“, „fröhlich sein“ oder auch „glücklich sein“ aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist es auch so: Wer es mag traurig zu sein, der mag es auch am Leben zu sein, da es auch heißt, Leben ist Leiden.

Kann man den Schmerz ertragen, wenn man weiß woher er kommt?

„Ja!“, würde ich dazu grundsätzlich sagen. Angenommen ich bereite mich für einen Kampf vor, indem ich Sparring mache, somit nehme ich schon im Vorfeld Schmerzen auf mich auf, und wenn ich dann endgültig kämpfe, der Gegner aber stärker ist als ich, wodurch er mir starke Schmerzen zufügt, so vermute ich, dass der Schmerz eher zu ertragen ist, als wenn man kein Sparring macht. Wobei auch gesagt werden könnte, dass ein Schmerz verursacht wird, weil man den Schmerz einfach auf sich nehmen will. Dadurch ist vielleicht bekannt woher der Schmerz kommt, was nicht zwanghaft heißen muss, dass dieser ertragen wird.
Warum bin ich so wie ich bin? Eigentlich weiß jeder eine Antwort auf diese Frage. Jeder hat seinen kosmischen Code und kann darauf zugreifen. Darin sind aber nicht so schöne Sachen über sich selbst auffindbar, was wohl der Grund ist, warum so wenige darauf zugreifen.

Klar denken kann ich nicht.
Als ich heute morgen etwas aufschreiben wollte, ging es schlecht. Neben mir saß jemand, der die ganze Zeit Selbstgespräche führte. „Wartet mal ab, es werden noch viele Menschen sterben, wir sind zu viele Menschen. Euch wird noch etwas erwarten, in 30 Jahren wenn ich tot bin. Und jetzt sind unsere Freunde in der Nato. Ja der Putin kann gut gegenhalten, nicht so wie damals der Gorbatschow. Und der Honecker. Ach der. Der hatte nichts zu melden. Deshalb hat er ja auch seine Tochter nach Chile geschickt. Die weint jetzt. Das wäre alles heute nicht so gewesen, wenn Hitler noch da wäre. Er hat aber auch übertrieben mit seinem *Sieg, Heil*. Die Amis regieren alles. Deshalb sind auch die Briten aus allem rausgegangen mit Brexit. So ein british Empire gibt es aber nicht mehr.“ HALTS MAUL!, dachte ich mir. Wen interessiert schon, dass Hitler ein britischer Agent war? Wen interessiert es schon, dass Hitler sich nicht umgebracht hat und nach Argentinien geflohen ist? Wen interessiert es schon, dass Kennedy von seinem Fahrer erschossen wurde und dieser von der Bankenindustrie beauftragt wurde, weil Kennedy ein staatlich kontrolliertes Geldsystem einführen wollte? Wen interessiert schon, dass Möllemanns Fallschirm manipuliert wurde und er starb, weil er ein faires Rentensystem einführen wollte und er es sogar vielleicht geschafft hätte, da er keine kleine Folgegemeinschaft hatte? Wen interessiert es schon, dass die Türme am 11.9.2001 gesprengt wurden und eben keine Flugzeuge hineinflogen, da die Flugzeuge mit einer CGI-Videomanipulation in Medien gezeigt wurden? Wen interessiert schon, dass im ganzen Nahen Osten nur wegen des Erdöls Krieg herrscht? Also HALT DOCH EINFACH NUR DEIN MAUL, dachte ich mir. Er laberte einfach drauf los, ohne sicherzustellen, dass er zugehört wird. Warum stellt er das einfach so im Raum, wenn es doch nicht angenommen wird, außer vielleicht von mir? Vielleicht weil er damit sein Ziel schon erreicht, nämlich, dass ich ihm zuhöre. Wer weiß? Doch auch wenn wir eine Attitüdenverwandschaft haben sollten, heißt es noch lange nicht, dass wir die Welt verändern. Erst wenn das die Menschen erreicht, kann die Welt verändert werden. Ist es aber die Menschheit wert, dass sie es erreicht? Das ist es, was mich heute morgen sehr ärgerte. Was blubberst du dich vor dich her? Vielleicht mag es Therapie sein, wenn du einfach vor dich her redest, aber Anerkennung deines Selbst und deiner Inhalte wirst du damit nicht bekommen und vor allem landest du durch deine nicht ­ gesellschaftlich-anerkannten Verhaltensweise in einem schlechten Energiefeld. Wenn du doch meinst alles zu wissen, warum weißt du so was nicht? Was mich anbelangt: Ich schreibe lieber.

Du versuchst immer nur den einfachsten Weg zu gehen, nicht wahr?

Gemütliche Gemüter wird wohl ein jeder von uns gehabt haben. Auch insofern, dass wir unseren Weg nur so gehen wie unser Geist es gemäß seiner Annehmlichkeit zulässt. Wer das für sich erkennt und sich weiterentwickeln will, aber auch den Mut und die Kraft hat sich weiterzuentwickeln, der wird auch einsehen, dass es keinen einfachen Weg gibt. In andern Worten: Den einfachsten Weg geht man nur, wenn man, in einer bestimmten Sache, träge im Geiste ist.

Hast du ein Selbstwertgefühl?

Was genau soll das sein? Ein Selbstwertgefühl? Der Selbstwert ist an sich (leider) nicht jedem bekannt. Egal in welcher Hinsicht, sei es Sexualität, Talent, Zugehörigkeit oder auch Verantwortung. Der Selbstwert bestimmt sich dadurch, dass für etwas, das das eigene Sein bestimmt, der Tod oder sogar die Vereinsamung in Kauf genommen wird. Was genau ist nun das Selbstwertgefühl? Dies kann als die Empfindung der Sicherstellung seines Selbstwertes gesehen werden. Das Selbstwertgefühl stellt –zumindest nach meiner Auffassung- die Grundlage des Selbstbewusstseins dar. Die authentische Selbstdarstellung ist kein Indikator für ein vorhandenes Selbstbewusstsein. Das heißt also, wenn ich mich gut darstellen kann und sicher auftrete, heißt es noch lange nicht, dass ich selbstbewusst bin bzw. über ein Selbstwert verfüge.

Regnerisch ist der Tag. Was soll aus mir werden, wenn nicht ein Schriftsteller? Ein sesselfurzender Controller? Ein Manager? Ein Geschäftsführer? Werde ich das, was ich verdiene zu sein? Vielleicht muss ich in dieser Welt der Knechtschaft und Geisteslosigkeit einfach nur funktionieren, weil ich es kosmisch verdiene. Beschmutzend, verdreckend, verunreinigend und gehässig waren meine Taten. Warum sollte der ganze Schmutz und Dreck, die Unreinheit und Gehässigkeit, die ich auf andere Wesen abließ, auch nicht auf mich abgelassen werden? Vielleicht muss ich den Schmerz ertragen, den ich dem Kosmos zugefügt habe. Wenn ich mir den Regen so anschaue, frage ich mich, warum ich nicht er sein kann. Der Regen wird gehasst und selten mit etwas Positiven konnotiert. Wäre ich der Regen, wäre ich auch irgendwie das Wasser. Wäre ich der Regen, wäre ich auch vielleicht verhasst. Wäre ich der Regen, würde ich aber zum Ausgleich der Sonnenstunden alle Wesenheiten des Planeten nässen, erfrischen und erquicken. Wäre ich der Regen, wäre ich einfach nur regnerisch und trübselig, was jeden veranlasse, sich wieder auf die Sonne zu freuen, doch wenn es zu viel von der Sonne gäbe, würde sich jeder freuen mich zu sehen und zu fühlen, mit meinem regnerischen Fluss und meiner Trübseligkeit. Ach, wäre ich doch nur der Regen. Stattdessen bin ich nur ein Mensch, eine Bakterie, eine Kokke, ein viraler Bestandteil.

Hasst du dich selbst

In Bezug auf die Frage, ob ich ein Selbstwertgefühl habe, könnte auch gesagt werden, dass ein Selbstwertgefühl dann vorhanden ist, wenn das Individuum sich selbst liebt. Dabei sollte eines beachtet werden: Der Begriff der Liebe, darf in keinem Verständnis etwas Destruktives beinhalten, sonst wäre es keine Liebe. Der Begriff der Liebe, sollte in jedem Verständnis, sowohl ein „Wachsen“ bis zur Weisheit als auch ein „Verwelken“ bis zur Vollkommenheit beinhalten. Entgegengesetzt zu verstehen ist der Begriff des Hasses. „Vernichtung“ und „Zerstörung“ fallen im Bereich des Hasses. Es gibt Menschen, die sich selbst vernichten und zerstören. Hass gegenüber sich selbst ist -davon sollte auszugehen sein-, wenn man sich selbst vernichtet oder zerstört. Diesbezüglich kann eine tiefere Eingebung dessen verstanden werden, wenn Alkohol oder andere selbstzerstörende Drogen dem selbsthassenden Geist hinzugefügt werden. Mir ist der Selbsthass auch sehr bekannt, da er auch ein Motiv ist, warum ich schreibe. Zu der Frage „Warum existierst du?“ fügte ich ein Zitat von Sartre hinzu („Wie hart und grell es war, wie gegenwärtig. Es war nichts an ihm als Gegenwart. Die Buchstaben, die ich gerade darauf geschrieben hatte, waren noch nicht mal trocken und schon gehörten sie mir nicht mehr.“), das mir einen Hoffnungsschimmer schenkt. Unwahrscheinlich ist es aber auch meiner Auffassung nach nicht, dass wenn Worte auf Papier geschrieben werden (oder auch im Mac getippt werden), die den Selbsthass des Autors tragen, sich auf dem Blatt (oder auch auf die Datei) übertragen und ohnehin dem Autor nicht mehr gehören. Dadurch, denke ich, werde ich den Selbsthass los (oder bin den vielleicht auch schon losgeworden). Man kann es sich auch viel leichter machen, indem man ein fundamentalistischer Christ wird, der Jesus als Befreier aller Sünden für sich annimmt und somit den Selbsthass pseudoartig von sich loslegt.
Pseudoartig deshalb, weil der Selbsthass durch Prozesse entstanden ist und nicht aufeinmal durch ein Ereignis, wie z.B. „Jesus zu sehen“ und „in seinem Herz zu lassen“, davongeht.

Sei gut zu dir selbst!

In diesem Fall geht es nicht um eine Frage, sondern vielmehr um eine Aussage. Damit das Selbstwertgefühl aufrecht erhalten wird, ist ein gutes oder zumindest positiv gesinntes Verhalten gegenüber sich selbst notwendig. Ein alter Spruch besagt: Wer gutes gibt, bekommt auch gutes. Das Verhalten gegenüber sich selbst erzeugt auch mehr Freude. Fordere mehr von dir, dann bekommst du auch mehr von dir. In dem Maße, wie du gut zu dir bist, so ist in dem Maße auch deine Liebe zu dir.

Meine Existenz hat bei der Arbeit keinen Wert, zumindest in diesem Moment, da ich grad jemanden vertrete, keine Teilnehmer da sind und ich in einem leeren Raum sitze.

Hasst du die Angst?

Zunächst sollte das Verständnis von Liebe und Hass im Fokus genommen werden. Natürlich können die Liebe und der Hass, nicht einfach so in ein paar Sätzen beschrieben werden, wie ich es bereits (am Donnerstag, den 20.07.2017) gemacht hatte. Dasselbe gilt für die „Angst“, die ich auch bereits (am 12.07.2017) versuchte zu beschreiben. Dabei stellte ich dar, dass „Angst“ eine gegenteilige Darstellung der „Liebe“ und „Hoffnung“ ist. Die Liebe wurde (am 20.07.2017) als etwas beschrieben, dass das „Wachsen“, während der „Hass“ „Zerstörung“ und „Vernichtung“ mitbeinhaltet. Da aber „Hass“ etwas „zerstören“ oder „vernichten“ muss, was gewachsen ist, kann hierbei deshalb nicht von einem Gegenteil (der Liebe) gesprochen werden. Nun könnte man es so sehen, dass wenn man fragt, ob ich die Angst hasse, ich durch den vorhandenen Hass, dann die Angst vernichte. So könnte man es sehen, wäre aber dennoch zu leicht gedacht. Durch Angst entsteht Mut, den man braucht, um etwas zu überwinden, auch wenn das „Selbst“ zu überwinden ist. Also vernichtet man durch den Hass nicht nur Angst, sondern vielleicht auch den daraus entstehenden Mut. Was ist eigentlich „Angst“ genau? „Angst“ ist nichts Weiteres als eine seelische (Selbst-)Unsicherheit. Daraus kann folgende sinnhaftere Frage entspringen: Hasst du die Unsicherheit? Die Vernichtung der Unsicherheit im eigenen Befinden trägt dazu bei, sich in seiner Haltung sicher zu fühlen. So gesehen könnte die Angst vom Menschen sogar geliebt werden, damit er immer mehr für sich erfordern kann. „Unsicherheit“ und „Ungewissheit“ in der Ferne oder in der Leere zu sehen, glaube ich, ist nicht positiv weitverbreitet, was auch völlig legitim ist.

Ich bin sehr müde. Gute Nacht!

Seit gestern morgen ist es nur trüb und regnerisch. Ungelogen sah ich bisher keinen Strahl der Sonne. Natürlich musste sie heute und gestern irgendwie durchkommen, da ich sonst den hellen -im Gegensatz zur Nachtdunkelheit- Tag nicht wirklich hätte wahrnehmen können. Düstere Gedanken schlichen sich schon heut oftmals in meinen Kopf ein. Düsterheit, die nicht zur mir gehört. Düsterheit, die mich düster machen will. Warum will die Düsterheit das? Was habe ich ihr getan? Müßig versuche ich doch nur zu leben. Leben. Das Leben lebt nicht lebendig. Das Leben lebt nicht. Das Leben existiert irgendwie. Das Leben wird lebenslustig gemacht, doch ist es eigentlich nicht. Das Leben wird lebenslänglich gezielt zur Lebensfalle gemacht. Erst beim Ableben lebt man. Das Leben muss selbst belebt werden. Wer das Leben nicht belebt oder es gar versucht, der lebt überhaupt nicht. Lebensenergie. Lebensqualität. Lebenslust. Lebensfreude. Seelenleben. Das, was das Leben ausmacht, muss erkämpft werden, und geht mit lebenstötenden Lebenslagen einher.

Soll die Angst aufhören?

Manchmal ist es so unerträglich mit der schwachen geistigen Festigkeit und der daraus resultierenden Angst zu leben, dass sich der Ängstigende wünscht, die Angst solle aufhören. Wahrscheinlich weil die Angst irgendwie schmerzt. Angst vor dem, was kommt, obwohl man nicht wirklich weiß, wie es ist, wenn es auf jemandem zukommt – das kann mit Schmerz verbunden sein. Wer will schon, dass der Schmerz, und somit die Angst, nicht aufhört? Albdrückend aufwachen und in Angst zu leben, erschwert das Leben. Wenn die Angst nicht vorhanden ist, werden viele Leute wohl gar nicht klarkommen, weil sie es nicht kennen ohne Angst zu leben und die Angst immer ihr Handlungsantrieb war. Sie sind es, die darum betteln, die Angst solle aufhören, weil sie sich nicht mit dem „Tod“ und dem „Sterben“ beschäftigt haben. Sie sind eigentlich die, die Angst davor haben keine Angst mehr zu haben.

Egal welche Art von Beziehung, die man pflegt, sobald sie eingegangen ist, sollte jeden bewusst sein, dass man Fehler machen wird, und dass daraus Konsequenzen entstehen können. Unumgänglich wird es sein, Fehler zu machen.

11.24 Uhr. Wegen des gestrigen Trainings tut mir der Nacken weh. Verspannungen habe ich mir wohl eingeholt als ich trainierte bzw. beim Schulterdrücken übte. Doch irgendwie, auch wenn das masochistische Züge haben mag, fühle ich mich trotzdem gut. Mein Körper muss sich an Bewegungen anpassen. Durch die Bewegungen an meinem Körper, werden auch Bewegungen in meinem Geist veranlasst. Das ist genau das, was ich will und brauche.

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich mich nicht mehr mit den philosophischen Fragen von „Evangelion Nemesis“ beschäftigt habe. Doch ich schrieb bewusst an meinem Roman weiter, da dadurch meines Erachtens auch die nachkommende Frage beantwortet werden kann.

Liebst du deine Mutter?

Warum eine Mutter von jemandem geliebt wird, ist meist schwer zu beantworten. Zumal jeder eine andere Vorstellung davon hat, was es heißt eine Mutter zu lieben. Doch das, das Band zwischen der Mutter und deren Baby aufrechterhält, überschreitet alle Zeiten und Räume. Natürlich kann dies hinterfragt und nicht akzeptiert werden, doch wer sich auf andere Ansichten einlässt, kann in eine ganz andere Welt der Wahrnehmungen eintauchen, die vielleicht, aber auch nur vielleicht, (oder vielleicht auch gar nicht,) einen Menschen bereichern kann. Solch eine Sichtweiße wird dargeboten. Zu vermerken ist im Vorfeld auch, dass in einer gewissen Zeit, nichts weiteres für diese Bearbeitung der (mehr oder weniger) philosophischen Fragen gemacht werden konnte, da eine reine individuelle Recherche um den kompletten Begriff der „Entbindung“ vorgenommen wurde. Nachdem Verfassen des untenstehenden Textes (ein Teil aus meinem Roman „Zwischen mir und dem Meer“) konnte die Frage „Liebst du deine Mutter“ mit einem „Ja“ beantwortet werden.

„Maria, Maria, geht es dir gut?“, hörte sie Pepino sagen, als sie das Augenlicht wieder erblickte nach dem sie aus ihrem kurzzeitigen Delirium erwachte. Surreal kam ihr das ganze vor. Schnell bemerkte sie, dass sie sich auf dem Stuhl -mit den Füßen auf den Schemeln abgestützt- befand und Pepino hinter ihr saß. Körperlich war sie leicht geschwächt von ihrer Reise ins Ich. Notwendig war dies ohnehin, da sie das Wesen in sich nicht mehr tragen würde und ihr Ego nun mehr nicht das war, was sie kannte. Also machte sie sich mit Mühsamkeit leicht aufrecht auf dem Stuhl, um endlich das Kind, dieses besondere Wesen, auf die Welt zu bringen. „Mir geht es schon besser. Bitte gib mir doch ein Schluck Wasser. Nein, mein treuer Mann, ich brauche nichts Anderes. Sehr wertschätzend von dir, dass du dich die ganze Zeit bei mir aufhältst.“, sagte Maria zu ihrem Mann und wandte sich mit folgenden Worten zur Hebamme: „Ich bin bereit“. Darauf hat die Hebamme gewartet. Darauf, dass sie sich voll bewusst ist, ihr Kind nun auf die Welt zu bringen. Darauf, dass sie schon Mutter ist bevor sie es eigentlich wirklich ist. Darauf, dass sie weiß, wie sie ein neues kleines Universum erschafft. ‚Das ist es’, ging es der Hebamme durch den Kopf. ‚Sie erschafft durchaus eine Welt mit dem Kind, das sie austragen wird. Denn das Kind wird anders leben, als seine Mutter das tat. Dem Meer darbietend wird Maria das Kind gebären. Demnach wird es schon von vornherein keine trockene Dorfluft einatmen, sondern die salzig gedunstete Luft des Meeres.‘ Abenteuerleidenschaftlich aber auch sehr behutsam hantiert die Hebamme mit dem Muttermund der Gebärenden.

Schreie vor Schmerzen, stieß Maria aus, während Pepino ihr beistand. Warum schreit eigentlich eine Frau? Natürlich der Schmerzen halber. Allein sind die Schmerzen nicht der Grund, warum eine Frau bei der Entbindung schreit, sondern auch allein die Entbindung an sich. Der Begriff der „Entbindung“ implementiert, dass sich vorher etwas gebunden hat, bevor es halt entbunden wird. Demnach schreit sie, weil sie sich von etwas trennt, nämlich den entgegengestellten und orthogonalen Prozess des Sterbens. Das „Etwas“, das aus dem Schoße der Frau schlüpft, schreit auch, da es bei ihm auch mit einer Trennung einhergeht. Eine Trennung aus der Wärme. Eine Trennung von der Liebe. Eine Trennung von der Schenkung der Lebensenergie. Oh ja, ein Mütterlein schenkt ihrem Säugling sehr viel Lebensenergie.

Wer denkt schon, wenn er sieht, oder auch weiß, dass zuerst ein Kopf, dazugehörig ein kleiner unterentwickelter Rumpf, aus der Lebenstoröffnung der Mutter kommt, und dann im nächsten Moment, kommt kaum realisierbar der Rest des Säuglingskörpers. Kleine Arme mit kleinen feinen gebrechlichen Händen, die doch sehr kraftvoll zudrücken können. (Woher genau kommt eigentlich diese Kraft?). Ein kleiner hervortretender Bauch und eine Brust, die auch nicht wirklich kolossal wirkt, aber so sehr zart, dass man diesem kleinen Brustkorb nichts antun kann, weil es ein Herz beherbergt und wahrlich da drin, also im Herz, die Seele beherbergt wird. Schenkel und dazu Füße, die die dieses Wesen noch lange nicht zum Gehen nutzen kann, weil es eine kleine Zeit dauert, damit das seelische Bewusstsein sich mit diesem Körper, dieser komischen menschlichen Hülle, vertraut gemacht hat.

„Hast du viel Gemüse gegessen?“, fragte die Hebamme, während sich Marias vor Schmerz verzogenes Gesicht in eins verwandelt, das ihr die Gegenfrage „Warum?“ entgegenwirft. „Es heißt; wenn von einer Frau viel Gemüse gegessen wird, gebärt sie ein Mädchen.“ Sie hielt den weiblichen Säugling –nachdem sie die alte Bauernrede von sich gab- hoch und zeigte ihn Maria und Pepino. „Gib’ mir meinen Engel“, sagte Maria erschöpft und fordernd. Gestikulierend machte ihr die Hebamme klar, dass sie sich gedulden solle, da sie vorerst die Reste des Muttermundhabitats, die auf dem ganzen kleinen zierlichen Körper des Säuglings verteilt waren. Schließlich bekam Maria in Tüchern gewickelt ihr süßes Kleinkind in den Arm gelegt. Strahlend sah sie ihr frischgeborenes ins weiche amphibienartige Antlitz. Stimmungsvoll schaute sich die Hebamme die frischen Eltern an, die sich das Kind anschauten als wäre es ein Wesen, das vom Himmel in ihre Arme gefallen ist, was eigentlich auch irgendwie so ist.

Nachträgliche Waschungen nahm zwischenzeitlich die Hebamme an Maria vor, um der Hygiene einen vollkommenen Abschluss zu geben. Pepino, der noch total perplex von dem Prozess der Entbindung war, nahm für einen Moment sein Kind im Arm, schaute es in die Augen, drückte es einen sanften liebevollen Kuss auf die Stirn, gab es für einen Augenblick der Hebamme in die Arme und brachte sorgsam seine Frau ins Schlafgemach. Maria, in Pepino’s Armen liegend/haftend, schaute auf den Boden und bemerkte ein bisschen Blut, das aus ihr rauskam. Als sie dann im Bett gelegt wurde und die Hebamme zur ihr herantrat, fragte Maria sie: „Warum habe ich Blut verloren?“. „Häufig kommt es vor, dass Frauen bei der Entbindung einen gewissen Anteil an Blut verlieren. Gefährlich ist das allerdings nicht, wenn der Ausstoß an Blut im geringen Maße stattgefunden hat. In den meisten Fällen zieht sich die Gebärmutter -also da wo auch das Kleinkind entsteht- nicht wirklich zusammen, was dann veranlasst, dass Blut ausgestoßen wird. Das ist ziemlich typisch bei einer Entbindung, Kleines“, antwortete die Hebamme und fügte noch weitere Worte hinzu. „Sieh’ das nicht als etwas Schlimmes. Nicht immer, wenn Blut vorhanden ist, muss es heißen, dass eine Verletzung stattfand. Mach dir keine Sorgen. Deinem Kind geht es gut und es ist jetzt bei dir.“ Einfachheit und Naivität überkommt auch oft wissenden Menschen. Immer wenn Blut ersichtlich ist, wird eine Art von Verletzung irgendwie vorhanden sein, auch bei der „Entbindung“. Die „Entbindung“ ist eine Verletzung. Das Sterben hingegen muss nicht zwingend mit einer Verletzung einhergehen, weshalb auch beim Sterben nicht unbedingt Blut ersichtlich sein muss. Verletzend ist die „Entbindung“ deshalb, weil sie die physische Trennung von dem „etwas entstandenem&ldquo und „zu Entbindendem“ darstellt. Der Begriff der „Uterusatonie“ wird der Hebamme (wie auch anderen wissenden Sterblichen) nicht bekannt gewesen sein. Dass Maria das Blut nicht „als etwas Schlimmes“ sehen soll, kann der Hebamme vielleicht doch zugerechnet werden. Kassatorisch für alle bisherigen Kenntnisse zu dem Begriff der Menschwerdung, kann dafür eine nicht herkömmliche Sicht dargelegt werden. Für Wahr ist das Blut meist negativ bzw. mit negativen Ereignissen zu assoziieren, da es wie oben beschrieben mit Verletzungen einhergeht. Nichtsdestoweniger, ist es auch auf klerikaler Ebene (also auf einem Klerus bezogen), nichts Weiteres, als die erdplanetarisch-bezogene Stofflichkeit des Lebensgeistes. Im Buch Mose Kapitel 17, Verse 10 bis 14, heißt es: Und welcher Mensch, er sei vom Haus Israel oder ein Fremdling unter euch, irgend Blut isst, wider den will ich mein Antlitz setzen und will ihn mitten aus seinem Volk ausrotten. Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, dass eure Seelen damit versöhnt werden. Denn das Blut ist die Versöhnung, weil das Leben in ihm ist. Darum habe ich gesagt den Kindern Israel: Keine Seele unter euch soll Blut essen, auch kein Fremdling, der unter euch wohnt. Und welcher Mensch, er sei vom Haus Israel oder ein Fremdling unter euch, ein Tier oder einen Vogel fängt auf der Jagd, das man ißt, der soll desselben Blut hingießen und mit Erde zuscharren. Denn des Leibes Leben ist in seinem Blut, solange es lebt; und ich habe den Kindern Israel gesagt: Ihr sollt keines Leibes Blut essen; denn des Leibes Leben ist in seinem Blut; wer es ißt, der soll ausgerottet werden.“ Bei den alten Griechen oder auch in der Antike wurde von „Pneuma“ (ungefähr „pnewna“ ausgesprochen) im Blut berichtet. „Pneuma“ ist die Begrifflichkeit des Seelenlebens. Süffisant könnte ein Aufklärer entgegenreden, dass es alte unbedeutende Sagen seien. Bedeutungslos dürfte das älteste Wort nicht gesehen werden, da es eben das älteste Wort ist, das dem Reich der Elemente am nächsten steht. Ebenfalls wurde in der Antike dem Herz eine große Bedeutung beigemessen. Schon damals wurden in altehrwürdigen Berichten vermittelt, dass das Herz das Erste ist, das sich innerhalb der unterentwickelten Menschmorphe bildet. Es wurde von einem „punktum saliens“, einem springenden Punkt berichtet, der in der Leibesfrucht entsteht. Zudem ist hinzuzufügen, dass das entstehende Herz in der Leibesfrucht durch das Blut der Frau belebt wird. Das heißt, der Lebensgeist der Mutter schenkt dem entsprießenden Säugling einen Impuls und im Nachhinein wächst der eigene Lebensgeist des Säuglings innerhalb des Herzens, was seine Individualität ausmacht. Menschlich physische Ganzheit wird (in den meisten Fällen) in einem Zeitraum von ungefähr neun Vollmonden erlangt. Ein Prozess, in dem während der Mutterwerdung das Kind an sich gebunden wird, aber es aufgrund der weiblichen menschlichen Gegebenheit nicht ewig schützend in diesem warmen Bauch, in diesem warmen zuhause, gehortet werden kann. Es ist es wirklich so unverständlich, warum ein kleines Neugeborenes weint? Ist es auch nicht denkbar, dass der kleine Sprössling, aus Wut, weil die Mutter ihn nun aus sich ausstoßen muss, die Gebärmutter verletzt? ‚Zusammen aßen wir, zusammen tranken wir, zusammen lachten und weinten wir, zusammen wuchsen wir, und jetzt soll ich alleine wachsen? ‘, könnten die Gedanken des Säuglings sein. Schreie sind auch an dieser Stelle bei den Geisteswissenschaftlern des Erdölzeitalters zu hören: „Babys können noch nicht denken!“ Sie haben schon alles, was der Mensch zum denken und fühlen benötigt; warum also sollten sie nicht denken und gar fühlen können? Warum sollten sie keinen Zorn empfinden? Sie hatten Schutz, Nahrung und Wärme. Würde da nicht jeder zornig reagieren, wenn ihm das weggenommen wird? Längst steht im neunten Kapitel und zweiundzwanzigsten Vers der Hebräerbriefe: „und fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung“. Mittels des Blutes reinigt die Mutter den Fötus, in dem das Kind wächst und das Kind vergibt der Mutter durch Blutvergießen, dafür, dass sie ihn erst protektiv in sich hielt und dann ausstoßt.

Fünf Leute sitzen vor mir im Kurs und bearbeiten grad eine Aufgabe, die ich ihnen gegeben habe. Sie sind sehr angenehm. Selbst derjenige, der lernschwächer ist, ist eigentlich nicht dumm, sondern eher faul, doch ich kann ihn schon ein bisschen dazu animieren etwas zu machen. Ewig kann ich diesen Job nicht angehen. Durch ihn konnte ich mich zwar weiterentwickeln, doch nun habe ich den Punkt erreicht, bei dem ich keine Entwicklung mehr habe und ich mich auch ganz bestimmt nicht mehr selbstverwirklichen kann. Resonanzgemäß bin ich der beste Lehrer. Ob es wirklich so ist, sei dahingestellt. Von den Teilnehmern bekam ich positives Feedback und sogar den Wunsch geäußert, ich solle sie auch noch in den anderen Maßnahmenbereichen unterrichten. Innerhalb meiner Tätigkeiten fühle ich mich bestätigt, was für mich die Bergesspitze in diesem Bereich ist. Dringend muss ich woanders hin, zumal ich in dieser Einrichtung sonst untergehe.

Suchst du nach deinem Wert?

Wer seinen Wert sucht, der hat ihn sehr höchstwahrscheinlich verloren. Sobald wir geboren werden, sollten wir alle eigentlich einen Wert haben, weil die Eltern ihn uns zuteilen. Warum wird man sonst geboren? Ist es nicht klar, dass wir alle wertvoll für unsere Eltern sind? Zugegeben, muss es nicht so sein, weil nicht alle Eltern einen wertorientierten Wunsch nach Kindern haben, weswegen die Kinder für die Eltern weniger wertvoll sein könnten. Hinzuzufügen ist auch, dass Eltern immer andere Wertesysteme in ihrem Geist haben, weshalb sie auch dementsprechend heterogene Normen und Werte an ihre Kinder vermitteln. Ist ein Kind geboren, kann es auch durch eine schlechte Erziehung ohne gute Werte aufwachsen. Was aber sollen den gute Werte sein? Und was schlechte? Das liegt immer im Auge des Betrachters. Werte werden (leider) auch immer der Zeit angepasst, was sie dann allerdings eben nicht mehr zu Werten macht. Man könnte von einem Wertezerfall sprechen. Was genau soll denn überhaupt ein Wert im Menschen sein? Früher wurde von Tugenden gesprochen. Gemäß dem Duden, wird das als „Tauglichkeit“ beschrieben. „Tauglich“ für was? Für die Gesellschaft? Ist sie denn tugendlich oder auch tauglich? Im Rahmen der Frage „Warum existierst du?“ beschrieb ich, dass ich Rechte und Pflichte in meiner Existenz habe, was in diesem Zusammenhang vielleicht an Bedeutung gewinnen kann. Die Tauglichkeit ist demzufolge, alles was sich in der Einhaltung der Rechte und Pflichten hält. In einer Dostojewski-Attitüde könnte gesagt werden: Wer nicht tauglich (oder auch tugendlich) ist, hat keine Existenzberechtigung. Auf der anderen Seite, kann der Wert eines Menschen anders betrachtet werden. Wenn ein Kleinkind geboren wird, bringt es einen Wert mit. Jeder Körper ist der Träger eines Bewusstseins. Grundsätzlich, kann jedes menschliche rohe Bewusstsein als tauglich für die Gesellschaft gesehen werden. Derart wird das Innere des Kleinkindes, das wie ein Rohdiamant zu sehen ist, geschliffen oder halt nicht. Ab einem gewissen Punkt ist es dann auch kein Rohdiamant mehr, sondern einfach nur (hart gesagt) ein unverwertbarer Klumpen, da die Gesellschaft ihn durch ihre Reibungen verkohlt hat. Für jeden Menschen sollte gelten: Die Entwicklung und Erhaltung des Körpers fördert auch die Entwicklung und Erhaltung des Geistes.
Der Wert eines Menschen kann auch dadurch bestimmt werden, dass er für etwas einsteht wofür er den Tod und Qualen auf sich nehmen würde, weil es ihm eben Wert ist, für dafür sterben und Qualen zu erleiden.
Zusammenfassend kann gesagt werden: Einen Wert muss man nicht suchen, sondern erkennen, beibehalten und erweitern.

Müde bin ich. Nicht mehr lange, und dann kann ich ins Wochenende gehen.
. Manchmal geht die Zeit nicht vorbei. Obwohl nur eine Stunde vorbeigegangen ist, kommt es mir so vor als wären, 2 oder 3 Stunden vorbeigegangen.

Was bin ich?

„Wer sind sie? – Wer? Wer ist nur die Form als Konsequenz des Was. Und was ich bin, das ist nur ein Mann mit Maske.“ So lautet ein Zitat aus dem Film „V wie Vendetta“. Die Frage „Wer bin ich?“ kann als personifizierte Frage von „Was bin ich?“ gesehen werden. Hinsichtlich einer Rollen- und Personenstellung kann jeder für sich bestimmen, wer er ist.
· Ich bin ein Vater / eine Mutter
· Ich bin ein Sohn / eine Tochter.
· Ich bin ein Arbeiter / eine Arbeiterin
· usw.
Was genau man ist, ist immer schwer zu sagen. Mir war immer klar, dass ich kein Mensch oder zumindest kein typischer Mensch bin. Wahrlich bin ich anders als die anderen. Nie sagte ich zu einer Frau „ich bin anders, als die anderen“, weil die, die das sagen, genau das sind, nämlich genau so wie andere. Bislang lebte ich nur die Andersartigkeit, aber hielt sie nie tatendrangbewusst nach außen hin. Während sich die meisten in meinem Umfeld sich den Sog der Masse hingaben, schwamm ich immer gegen diesen Strom. Deshalb fragte ich mich schon oft selbst „Was bin ich?“. Allgemein wusste ich irgendwie immer wer ich bin. Erst später wurde mir klar, was überhaupt ich bin. Für mich kann ich sagen, dass ich ein Wesen bin, das in der äußeren Erscheinung und in jeder Ausdrucksform dem Menschen zugeordnet werden kann. Zugehörig fühlte ich mich schon seit meiner Kindheit dem Menschen nicht. Dass ich irgendwoher komme, sicherlich auch aus den Bauch meiner Mutter, bestreite ich nicht. Nichtsdestoweniger muss mich das auch nicht zum Menschen machen. Ich bin einfach nur ein Wesen, das fühlt und die Empfindungen mit den Gedanken verarbeitet. Ich bin ein Wesen, das die eigene Existenz permanent in jederlei Hinsicht in Frage stellt. Ich bin ein Wesen, das sich bewusst ist, dass es ein(e) Wesen(heit) hat und ein Wesen ist. Kann das etwa jeder Mensch von sich sagen?

Am Bahnhof sitzend warte ich auf den verspäteten Zug und erkunde mein Umfeld. Deutschland hat sich verändert. Aber gewaltig. Die Flüchtlinge sorgen für ein anderes Bild und für andere Klänge in den Straßen. Fest bin ich davon überzeugt, dass nicht alle Flüchtlinge wahrlich „Flüchtlinge“ sind. Mein alter Schüler A. sagte mir auch, dass viele nur hier sind, nicht mal weil sie vor den Krieg flüchten, sondern weil sie einfach nur versorgt sein wollen ohne große Mühen. Es kommt nicht selten vor, dass ich mich inhaltlich wiederhole. Wahrscheinlich wiederhole ich mich, weil sich jeden Tag die trübe gestaltlose Gesellschaft mir offenbart. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mich frage, warum ich so bin, wie ich bin. Ein Tag zum Sterben. Wie viele Filme ich schon sah, bei denen es um Zugunfälle ging. Jetzt wo ich im Zug sitze, frage ich mich, warum ich nicht in solch einem Zug sitze. Warum sitze ich nicht in einem schnellfahrenden Zug, der entgleist? Warum sitze ich nicht in einem Zug, der auf einer einstürzenden Brücke in den Grund fällt? Warum sitze ich nicht in einem Zug, der durch eine Bombe gesprengt wird? Wahrscheinlich aus dem Grund, damit ich mich weiterhin schriftlich auskotzen muss. Zumindest hoffe ich es. So wie ich sich literarisch auskotzende Autoren las, so hoffe ich, dass ich gelesen werde. Erst dann, auch wenn es nach meinem Tod sein sollte, denn selbst dann, weiß ich, da bin ich mir ziemlich sicher, warum ich so bin (war) wie ich bin (war).

Meinen Sprachkursteilnehmern bei der Arbeit, erzähle ich immer, dass ich kein Lehrer bin, sondern Verkäufer. Überzeugt sage ich ihnen, dass ich die Sprache nicht lehre, sondern verkaufe. Ich verkaufe die Sprache und biete Service an. So versuche ich es auch mit meiner Schriftstellerei zu sehen. Damit soll gesagt sein, dass ich kein Schriftsteller bin, sondern Verkäufer. Sehr überzeugt verkaufe ich meine Gedanken. Hört sich eigentlich nicht so schön an. Hinzuzufügen ist, wie wertvoll für den Leser sein können. Leider gibt es einen sogenannten „Büchermarkt“. Demnach verkauft jeder Schriftsteller seine in Worte verfasste Gedanken auf diesen Markt. Eigentlich dürfte es so einen Markt nicht geben, da jeder ein Recht auf Bildung hat und keinen Preis zahlen sollte um Bildung zu erlangen. Stattdessen stellen sich die Schriftsteller (indirekt) als Konkurrenten gegenüber. Schon Traurig.

Bin ich das, was ich denke, was ich bin?

Descartes zitierte ich schon bereits. Unbekümmert kann ich dennoch wieder dasselbe Zitat hervorheben. „Ich denke, also bin ich“. Doch bin ich das, was ich denke zu sein, wenn ich denke und somit bin? Angenommen ich denke, ich bin ein Vogel; bin ich dann wirklich ein Vogel? In meiner äußeren Erscheinung mag ich es wohl nicht sein. Im Hinblick auf meine subjektive innerliche Welt bin ich es schon. Damit ist die Vorstellung gemeint. Schließe ich meine Augen, kann ich mir vorstellen, wie ich als Falke auf das Land schaue und beobachte. Natürlich bin ich kein Falke, mit Flügen oder auch Federn, ich bin weiterhin ein Mensch. Dabei ist zu erwähnen, dass sich mein Bewusstsein, dem eines Falken annähert. Somit bin ich, zwar nicht in ganzer Vollheit, aber dennoch artverwandt, ein Falke. Thesenartig füge ich hinzu, dass wenn ich immerzu einen Gedanken habe, ich zu dem Gedanken werde, beziehungsweise, dass sich der Gedanke in der gesamten Realität manifestieren kann.
Gewagt ist es zu sagen, wer an Krankheiten denkt, der hat sie auch. Letztendlich sagt der Spruch „ich denke, also bin ich“, wie stark die Kraft der Gedanken sein kann. Henry David Thoreau gab in seinem Werk „Walden“ einige Gedanken wider, die hierzu nicht unbeachtlich sind:
„Die Alten, Schwächlichen und Ängstlichen jedes Alters und Geschlechts dachten am meisten an Krankheiten, plötzliche Unglücksfälle und den Tod; ihnen erschien das Leben voll Gefahren – wo ist aber die Gefahr, wenn man an man keine denkt? – und sie hielten es für richtig, dass ein vernünftiger Mensch die sicherste Lage wählen würde, dort, wo Dr. B. im Augenblick zur Stelle sein könnte. (...) Kurz gesagt, solange der Mensch lebendig ist, besteht immer die Gefahr, er könnte sterben, obgleich zugegeben werden muss, dass die Gefahr in dem Verhältnis geringer ist, je mehr er schon von vornherein eher tot als lebendig ist. Der Mensch sitzt so vielen Gefahren, als deren er läuft.“
Sitzen und Denken ist gut, aber Bewegung sorgt auch für die Qualität der Gedanken. Wenn es nun so ist, dass ich das bin, was ich denke, was ich bin, was sehr -wie oben dargelegt- wahrscheinlich ist, dann sollte das, was ich bin und somit gedenke zu sein, von einer Qualität geprägt sein, die zumindest nachahmbarwert ist.

Schon lange habe ich mich nicht mehr mit den Fragen von Evangelion Nemesis beschäftigt. Das sollte ich mal wieder angehen.

Bist du unbeständig?

Wer kann schon von sich behaupten, dass er permanent beständig ist? Beständig kann ein Mensch –meiner Ansicht nach- nur in seinem seelischen Kern oder seinen grundlegenden Charakterzügen sein. Was die Weltanschauung bzw. Lebensansichten angeht, da wird ein Mensch, spätestens dann, wenn er für sich ein profitables Anerbieten sieht, um sich in seine Gemütlichkeit pseudoartig zu laben, seine Ansichten über Bord werfen. Wer von sich behauptet immer beständig gewesen zu sein, der lügt. Es würde nämlich heißen, er habe schon in frühester Kindheit einen Katalog mit Vorstellungen für sich, die er immer, zu jeder Zeit, treu gegenüber ist. In andern Worten: Keiner ist wirklich beständig. Es gibt Leute, die Meinungen und Anschauungen wechseln wie Unterhosen. Denen gegenüber stehen Menschen, die feste Entschlossenheiten für sich im Leben haben. Da sehen die Ersteren im Vergleich zu den Anderen aus wie unbeständige Mücken.

Unerklärlicherweise existiere ich. Ich bin einfach da. Ich existiere nur. Wäre ich nicht geboren, wäre die Welt auch nicht viel besser. Warum auch? Was habe ich bisher dieser Welt gegeben?
(...)
Mir schießen tausend Gedanken durch den Kopf: Was ist, wenn ich überwacht werde und es von einem Computer ausgewertet wird, was ich hier schreibe? Was ist, wenn jemand, das gegen mich verwenden will? Ist das überhaupt möglich? Was wird dann gegen mich verwendet? Meine Seele? Meine tiefsten Gefühle und Gedanken? Wie soll das gegen mich verwendet werden, wenn es sowieso dafür angedacht ist eventuell veröffentlicht zu werden? Wieso denke ich überhaupt so? Wieso überkommen mich eklige Bilder? Kann nicht einfach grad jemand in mein kleines Loch reinkommen, in das ich wohne, und mir schallgedämpft mir eine Kugel in meinem Kopf schießen? Wie lächerlich einige Menschen sind. Mein innigster Wunsch, den ich tiefen in depressiven Gedanken habe, ist die größte Angst eines Autonormalverbrauchers. Warum bin ich so? Warum wiederfährt mir das alles so?
(...)
Jetzt fühle ich mich leer. Warum? Ich habe keine Ahnung. Meinem Mac stehe ich grad gegenüber als sei er mein Psychologe. Vor einigen Tagen schrieb ich schon, dass ich jeden Computer für einen besseren Psychologen halte als die Meisten, die hier rumlaufen und sich einbilden gute Psychologen zu sein. Verstört denke ich grad darüber nach vielleicht Sport zu machen. Mich zu rasieren. Irgendwas zu machen. Hauptsache die plagenden peinigenden Gedanken verlassen mich. „Siehst du, du willst dich gar nicht damit beschäftigen“, höre ich eine Stimme in mir sagen. „Du läufst bei Problemen nur weg“. Ist das so? Laufe ich weg vor meinen Problemen? Bin ich nicht selbst vielleicht das Problem? Als ob ich mich nicht mit Problemen auseinandersetzen könnte. Lächerlich. Ich habe mir selbst so viele Probleme gemacht und sie alle beseitigt, aber währenddessen Schulden beim Staat und moralische Schulden –somit erneute Probleme- angehäuft, die mir bewusst sind und denen ich mich auch stelle. Meine Probleme sind klar definiert. Ich bin finanziell abhängig und habe meine mir selbstaufgestellte Aufgabe noch nicht erledigt. Ich weiß auch wie ich die Probleme lösen kann, nämlich mich finanziell unabhängig machen (z.B. durch Selbstständigkeit) und die mir selbstaufgestellte Aufgabe bewältigen. Natürlich funktioniert das nicht innerhalb von 24 Stunden.
(...)
Ich will doch nur in Ruhe gelassen werden. Ist das so verwerflich? Was soll ein Psychologe denn noch auf die zuletzt gestellte Frage noch antworten können, was wirklich Sinn macht? Nur in Ruhe gelassen werden will ich. Mehr nicht. Lesen. Schreiben. Sport machen. Musik hören. Ist das wirklich zu viel verlangt? Lasst mich doch alle einfach in Ruhe.

Mir kommt grad der Film „Cast Away“ mit Tom Hanks in den Sinn. (Spoiler) Durch einen Flugzeugunfall landet er auf einer kleinen einsamen menschenleeren Insel. Dort lebt er dann einige Jahre und redet mit einem Ball. Irgendwann entscheidet er sich die Insel zu verlassen, mit der Gefahr zu sterben und schwimmt mit einem selbstgebauten Floß aufs offene Meer. Er verliert seinen besten Freund, den Ball, weint ein bisschen und wird schließlich von einem Containerschiff aufgefunden. Zum Ende erfährt er, dass seine Frau einen anderen geheiratet hat, weil sie hörte, wie das Flugzeug, in das er saß, abstürzte und dabei wohl keiner überlebte. Wäre es nicht besser für ihn gewesen, wenn er einfach auf der Insel geblieben wäre? Denn spätestens nachdem er seine Frau gesehen hat und sich entscheidet weiterzuleben, würde er früher oder später wieder den Ekel sehen, der sich auch in unserer Menschlichkeit verbirgt, und sich denken: „Lasst mich doch alle einfach in Ruhe. Wäre ich mal auf dieser Insel geblieben, wo nur die unbarmherzige planetarische Natur, ich und mein Freund Wilson (der Ball) wären.“

Ich will Erfolg. Jetzt!
Dass diese Formel nicht aufgehen kann, ist mir klar. Andauernd muss ich mir anhören: „Hab Geduld“. Geduldig bin ich duldsam geworden. Der Geduldsfaden wurde so viel resistenter, dass die meisten Menschen in meiner Umgebung sagten: „Du bist sehr geduldig“. Duldend höre ich mir dennoch an, dass ich Geduld haben muss. Wahrscheinlich erteilt das Universum mir eine Geduldsprobe. Duldung überkommt aber den anderen Menschen nicht. Mir kommt es so vor, als würde so viele Energien auf mich prallen, negative und positive, so als wäre ich ein Baum in einer abgelegenen Landschaft, nicht weit von einer Küste entfernt, die Opfer eines Tsunamis gewesen wäre und dessen Wasser mich mit voller Wucht versucht niederzureißen, als würde das würde das Gewässer sagen: „Es folgen noch weitere Tsunamis. Mal schauen wie lange deine Wurzeln, die du geschlagen hast, standhalten können.“

Was ist das? Ein leerer Raum? Eine Welt, in der nur ich bin?

Was ein leerer Raum ist, haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Physiker schon erklärt und klar durchdefiniert. Dazu könnte ich mir vielleicht ein Buch von Stephen Hawkins nehmen und würde dann immer noch nicht wissen, was das ist. Das Problem in der Fragestellung ist die Sprache, ohne die diese Frage gar nicht gestellt werden kann. Denn erst durch die Sprache kommt eine Einschränkung in unserem Gedankenverlauf. Das Wort „Raum“ vermittelt den meisten eine geschlossene Gegebenheit, sodass man sich zum Beispiel ganz simpel ein Zimmer mit vier Wänden vorstellt. Möglicherweise ist dem so gar nicht. Gibt es überhaupt einen Raum? Was ist wenn alles nur Licht ist? Ist dazu ein Raum überhaupt notwendig? Der Mensch braucht meistens eine visuelle Darstellung von etwas, damit er dieses versteht. Ich würde einen Raum so visuell darstellen, dass man nichts außer die (Kontrast-)Farbe „Weiß“ sieht. Alles was dann drin zu sehen ist, ist dann ein „Erschaffungsprozess innerhalb des Raumes“, was schon an der nächsten Frage anknüpft: Ist es eine Welt, in der nur ich bin?
Mit Bestimmtheit ist diese Frage nicht zu beantworten, da sie auch verschiedene Standpunkte haben kann.

*Kann es so eine Welt geben, in der nur ich bin? Was ist dann mit den anderen Menschen, die ich kenne? Sie müssten demzufolge eine Projektion und ein Produkt von mir sein. Ist das möglich? Wenn ja, dann würde es heißen, dass ich der Erschaffer dieser Welt bin, in der nur ich bin.

*Macht man sich klar, dass man gar nicht nur selbst in der Welt sein kann, wird auch schnell klar, dass so ein leerer Raum nicht existieren kann, da man sich früher oder später fragt, woher man selbst kam, was in dieser fleischlichen menschlichen Welt bedeutet: „Ich komme aus dem Schoße meiner Mutter.“ Das würde dann auch heißen es gäbe einen Vater und grundsätzlich ein Menschenumfeld, die sich in meinem Gedankenradius –vielleicht auch nur marginal- aufhalten. Die müssten auch irgendwoher kommen. Wie sonst wüsste ich wie diese Menschen aussehen?

*Ein anderer Standpunkt wäre, wenn ein leerer Raum, der auch eine Welt darstellen könnte, in dem nur ich bin, an einem kosmisch zentrierten universalen Netzwerk gekoppelt wäre. Dadurch würde die Möglichkeit bestehen, dass ich meinen leeren Raum mit Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien auffüllen und somit die Welt, in der wirklich nur ich bin, erschaffen könnte.

*Bei der letzten Annahme muss dennoch sichergestellt sein, dass es nur einen leeren Raum gibt, in dem nur ich existiere (oder auch mich existent mache). Warum sollte dann nicht auch ein anderer leerer Raum vorhanden sein, in dem ein anderes Selbst steckt, welches an einem kosmisch zentrierten universalen Netzwerk gekoppelt ist und sich von dort Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien holt? Unwahrscheinlich wäre es dann auch nicht, dass die Kombination aus Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien, die sich das andere Selbst zusammenwürfelt, deckungsgleich mit meinen Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien ist. Bei der letzten Annahme muss dennoch sichergestellt sein, dass es nur einen leeren Raum gibt, in dem nur ich existiere (oder auch mich existent mache). Warum sollte dann nicht auch ein anderer leerer Raum vorhanden sein, in dem ein anderes Selbst steckt, welches an einem kosmisch zentrierten universalen Netzwerk gekoppelt ist und sich von dort Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien holt? Unwahrscheinlich wäre es dann auch nicht, dass die Kombination aus Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien, die sich das andere Selbst zusammenwürfelt, deckungsgleich mit meinen Informationen, Lichtern, Tönen oder auch Materien ist.

Diese ganzen Annahmen -seien es jetzt meine oder die eines Physikers- beantworten auch gar nicht, woher so ein leerer Raum kommt und ob der auch einfach so entstehen kann. Irgendwer oder Irgendetwas muss doch den leeren Raum zur Verfügung stellen, oder etwa nicht?
Zusammenfassend sollte man davon ausgehen, dass ohne eine allumfassende Kraft, eine Welt nicht bestehen kann. Zwangsläufig muss das keinen determinierten Charakter auf sich nehmen, da auch die Möglichkeit besteht mit der allumfassenden Kraft zu interagieren und somit auch die Welt mitzugestalten.

Diese Ansicht würde auch folgende Aussage von Dostojewski untermauern:
Wert lege ich nur auf meinen Hauptgedanken und dessen Inhalt ist eben der, daß die Menschen nach einem Naturgesetze sich tatsächlich in zwei Klassen scheiden: in eine niedrige, die der gewöhnliche Menschen, das heißt sozusagen das Material, das zur Fortpflanzung der Menschheit dient, und in eigentliche Menschen, das heißt solche, die die Gabe haben oder das Talent besitzen, in ihrem Wirkungskreise ein neues Wort auszusprechen. (...) Die ersten erhalten die Welt und vermehren sie numerisch; die andern bewegen die Welt und führen sie zum Ziele.

Vielleicht sollte ich mich wirklich mit der Frage „Was ist mein Selbstbild?“ beschäftigen.

Was ist mein Selbstbild?

Was ist überhaupt ein Selbstbild? Abstrakt gesehen kann das Selbstbild zum einen objektiv und zum anderen subjektiv betrachtet werden.
Im objektiven Sinne ist das Selbstbild als die äußerliche Erscheinung zu betrachten, die jeder für sich selbst bestimmt. Das beinhaltet eine fixe und viele flexible Komponenten. Hierbei ist der menschliche Körper als die fixe Komponente zu sehen. Über das „Selbst“ sagt der Körper viel aus. Ein ungepflegter Körper zeigt, dass auf das „Selbst“ keinen Wert gelegt wird oder zumindest, dass das „Selbst“ ein Stück weit aufgegeben wurde. Ein zu sehr gepflegter Körper zeigt, dass der Körper wichtiger empfunden wird als das „Selbst“ oder zumindest, dass eine narzisstische bzw. selbstverliebte Charaktereigenschaft vorhanden ist. Ein moderat gepflegter Körper zeigt, dass das „Selbst“ wertgeschätzt wird, aber nicht nur der Körper im Focus des objektiven Selbstbildes steht.
Nuancenhaft sind die flexiblen Komponenten in einzelnen verschiedenen Geschmacksrichtun­gen zu gliedern. „Kleider machen Leute“, denkt sich der eine, wohingegen sich der andere denkt: „Leute machen Kleider“. Dementsprechend sieht die Kleidung und das körperliche Schmücken aus. Dargestellt wird das Innenleben durch das Auftreten des Einzelnen. Das Aussehen eines Einzelnen verrät demnach sehr viel über das individuelle objektive Selbstbild.
Die Kleidungsstücke, die den simplen existenziell-gerichteten Bedeckungen entsprechen, sind variabel. Genauer beschrieben sind es die Dinge, die man „Basics“ nennt. Unterwäsche, Hose, Oberteil und Schuhe.

Ein Augenmerk soll kurz auf das reflexive Verb „sich anziehen“ genommen werden. Was zieht man sich an bzw. was zieht man „auf“ sich an? Man zieht sich etwas an, aber dadurch zieht man auch etwas „auf“ sich an. Eine gewagte These, vielleicht auch überdenkungswert, könnte lauten: Wenn man einen Menschen anzieht, zieht man etwas an, das (charakterverwandtschaftlich) in sich selbst auch ist.

Wer zu sehr darauf achtet, wie man sich „anzieht“, will in den meisten Fällen damit erreichen, dass viel an sich gezogen wird und geht daher Gefahr ein, etwas an sich zu ziehen, das zwar in einem selbst ist, aber man sich im Nachhinein wünscht, man hätte es nicht an sich gezogen. Achtet jemand gar nicht darauf, was er anzieht, zieht er trotzdem etwas an, von dem er nicht mal weiß, dass er es angezogen hat. Das kann sowohl negativ als auch positiv für das Individuum betrachtet werden, denn letztlich zieht es unwissentlich das an, was in sich verborgen ist und auf das es nicht für sich selbst geachtet hat. Wenn jemand gewählt darauf achtet, was er sich anzieht, was im Auge des Betrachters abstoßend oder anziehend sein kann, der versucht darauf zu achten, dass er das anzieht, was er für sich gewählt hat.

Folglich kann das „subjektive Selbstbild“ so verstanden werden, dass es Inhalte sind, die aus dem Medium des objektiven Selbstbildes ausgesendet werden. Schwer ist es, die Form des subjektiven Selbstbildes zu definieren, da es im Gegensatz zum objektiven Selbstbild zu erfassen ist. Manifestierte Gedanken und Gesagtes sind die Indikatoren, die es beschreiben könnten. Ebenfalls beinhaltet das subjektive Selbstbild eine fixe und viele flexible Komponenten. Charaktereigenschaften (bzw. der Charakter an sich) stellen das fixe subjektive Selbstbild dar. Grundzüge im alltäglichen Verhalten sind schon im Kindesalter internalisiert worden, sodass der Charakter mit Prinzipien lückenweise und mosaikartig gefestigt wurde. Nach und nach werden diese charakterlichen Lücken gefüllt mit flexiblen Komponenten des subjektiven Selbstbildes. Was können diese flexiblen Komponenten sein? Die Erfahrungen und die daraus für sich gewonnen Werte. Folglich kann innerhalb des Selbstbildes sowohl eine negative als auch eine positive Selbstdarstellung gegeben sein, wobei das im Selbstbild für sich selbst anders aufgefasst wird, als im Selbstbild eines anderen Individuums, da durch die Selbstdarstellung etwas abgesondert wird, was für das andere Individuum die Erfahrung und die daraus gewonnen Werte bedeutet.

Kann das alles abstrakt gesehen werden? Muss nicht eine Synthese aus dem objektiven und subjektiven Selbstbild gegeben sein?
Das kann jeder für sich selbst entscheiden, deshalb heißt es auch wie es heißt: Das Selbstbild.
Jeder Mensch macht die Erfahrung in seinem Leben, die für seine Entwicklung notwendig ist, was im Umkehrschluss heißt, dass jeder Mensch sein Selbstbild bzw. das Selbstbild im allgemeinen Sinne, nach seinem Bewertungsmuster erforscht und definiert.